Porträtausstellung jetzt vollständig

Erinnerung an 222 persönliche Schicksale

In der zentralen Porträtausstellung im Themenjahr 2013 “Zerstörte Vielfalt. Berlin in der Zeit des Nationalsozialismus” am Lustgarten wurde am 23. Juli die letzte Säule eingeweiht.

Auf ihr sind sechs Porträts und Kurzbiografien von Persönlichkeiten, die von den Nazis verfolgt wurden. Bei der Einweihung mit Kulturstaatssekretär André Schmitz sprach auch Konstanza Prinzessin zu Löwenstein, eine der beiden anwesenden Töchter des auf dieser Biografien-Säule porträtierten Hubertus Prinz zu Löwenstein (1906-1984). Auf der letzten Porträtsäule gibt es auch Biografien von Alfred Schiff (Archäologe), Martha Herz (Gewerkschafterin und Politikerin), Charlotte Wolff (Sexualwissenschaftlerin), Ruth Klinger (Schauspielerin) und Julius Hans Spiegel (Tänzer). Hubertus Prinz zu Löwenstein war Politiker, Historiker und Journalist. Als Zentrumspolitiker und überzeugter Demokrat warnte

Hubertus Prinz zu Löwenstein schon vor 1933 vor Hitler und dessen Politik. Er wurde 1934 ausgebürgert und landete nach einer Odyssee durch verschiedene Länder schließlich im Exil in den USA, wie seine dort geborene Tochter Konstanza Prinzessin zu Löwenstein sagte. Ihr Vater gründete dort die Deutsche Akademie der Künste und Wissenschaften. Mit vielen der in der Ausstellung porträtierten Künstler hatte er eine enge Verbindung, wie zum Beispiel mit Heinrich Mann, Max Reinhardt oder Albert Einstein.

1946 kehrte Hubertus Prinz zu Löwenstein in das zerstörte Deutschland zurück und war bis zu seinem Tod 1984 Bundestagsabgeordneter und Journalist. “Es ist kein Ruhmesblatt, wie man mit Emigranten umgegangen ist”, sagte die Prinzessin. Die Ausstellung am Lustgarten anlässlich des Themenjahres “Zerstörte Vielfalt” sei ein Anfang. “Vertriebene und Emigranten gehören auch zu den Opfern des Faschismus”, so Konstanza Prinzessin zu Löwenstein. Sie forderte eine dauerhafte Erinnerungsstätte.

Die Porträtausstellung wurde am 30. Januar eröffnet und stand bis Ende Februar am Brandenburger Tor. Der biografische Ansatz zieht sich als roter Faden durch die zahlreichen Themenjahrangebote von mittlerweile 170 Projektpartnern. Ergänzend zur Porträtausstellung am Lustgarten befinden sich elf weitere Stadtmarkierungen an historisch ausgewählten Orten in Berlin und sind Teil des Gesamtkonzeptes.

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Fahrraddieb geschnappt

Zivilpolizisten konnten am 23. Juli nachmittags in der Caroline-Michaelis-Straße einen 34-jährigen Fahrraddieb auf frischer Tat festnehmen. Den Polizisten kam der Radfahrer verdächtig vor, weil er sich in der Straße neben dem Beachvolleyballplatz abgestellte Fahrräder anschaute. Plötzlich stieg er ab, hantierte an einem dieser Fahrräder und fuhr damit davon. Das Rad, mit dem er gekommen war, ließ er unangeschlossen zurück.

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Überholverbot für Lkw auf Autobahnen

Bayerns SPD-Chef Pronold, Mitglied in Steinbrücks Schattenkabinett, will auf bestimmten Autobahnen Lkw das Überholen verbieten. Die Regelung soll aber auf die Ferienzeit im Sommer beschränkt bleiben.

Der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold hat für die Ferienzeit im Sommer ein generelles Überholverbot für Lastwagen auf Autobahnen mit nur vier Fahrspuren gefordert.

“Das fördert den Verkehrsfluss, verbessert die Verkehrssicherheit und verhindert Staus in der Ferienreisezeit”, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag am Freitag in Berlin.

Durch eine solche Regelung könne während der Sommerzeit vom 1. Juli bis 31. August der deutschlandweit anzutreffende “Flickenteppich von streckenabhängigen Überholverboten” beendet und durch eine einheitliche Vorgabe ersetzt werden, erklärte Pronold, der auch dem Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angehört.

Die Regel sei “einfach und unbürokratisch”. Die Länder könnten auch die Möglichheit erhalten, das Überholverbot in begründeten Fällen aufzuheben – etwa bei wenig Verkehr.

Der Automobilclub ACE begrüßte die Initiative.

“Florian Pronold greift endlich einen Vorschlag auf, den der ACE Auto Club Europa erstmals schon vor sechs Jahren ins Spiel gebracht hat”, hieß es in einer Erklärung.

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Trödelmärkte machen Ärger

Angesichts zunehmender Beschwerden von Anwohnern über die Begleiterscheinungen der Flohmärkte auf den Lidl- und Reichelt-Parkplätzen an der Markstraße bittet Ordnungsamtsstadtrat Martin Lambert diese um Mithilfe.

Fragt man Anwohner der Markstraße nach ihrer Meinung zu den dortigen Trödelmärkten, bekommt man eindeutige Antworten. Namentlich zitieren lassen, das will sich aber niemand. Doch alle Befragten berichten von zugeparkten Einfahrten, Gefahren durch Parken in zweiter Reihe, Urinieren in Hauseingängen und viel Müll auf der Straße nach Marktende.

Eine ähnliche Erfahrung machte jetzt der CDU-Ortsverband Am Schäfersee. Am 25. Mai verteilten Mitglieder Fragebögen zu den Märkten. „Offenbar haben wir damit einen Nerv getroffen”, sagt die Vorsitzende und Bezirksverordnete Claudia Skrobek. Anwohner kopierten die Fragebögen und gaben sie an Nachbarn weiter. Matthias Kubin, ebenfalls CDU-Be-zirksverordneter, präzisiert: „Wir haben 400 Bögen verteilt, und 309 Antworten bekommen. Nur zehn davon beurteilten die Trödelmärkte positiv.”

Kubin betont, dass seine Partei die Trödelmärkte nicht grundsätzlich in Frage stelle. Allerdings müssten die Anwohner vor Belästigungen geschützt werden. Von diesen weiß auch das Bezirksamt. Der für das Ordnungsamt zuständige Stadtrat Martin Lambert (CDU) berichtet, dass seine Mitarbeiter alleine am 23. Juni 63 Tickets wegen Falschparkens verteilten. Doch wegen Personalmangels können seine Leute nicht ständig vor Ort sein.

Lambert sieht aber noch eine weitere Möglichkeit des Eingreifens durch den Bezirk: „Wir erhalten Informationen, dass Stände schon in der Nacht aufgebaut werden, obwohl das erst ab 6 Uhr morgens erlaubt ist.” Wenn Anwohner darüber konkrete Lärmprotokolle verfassten, mit genauen Zeitangaben, könne man die Betreiber der Flohmärkte zur Rechenschaft ziehen.

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Großelterndienst in Berlin

Kinder sind vor allem für Alleinerziehende eine große Herausforderung. Gut, wenn dann die eigenen Eltern helfen. Und wenn diese nicht vor Ort sind, springt der Großelterndienst ein.

„Seit 1989 stellen wir Alleinerziehenden in ganz Berlin Wunschgroßeltern an die Seite”, sagt Helga Krall, Projektleiterin beim Großelterndienst, dessen Träger der Berliner Frauenbund 1945 ist. Momentan kümmern sich etwa 490 Wunschgroßeltern um rund 600 Familien mit etwa 800 Kindern in Berlin. „Wir hätten aber noch Bedarf für weitere 750 Familien. Wir suchen also noch Senioren, die gerne ihre Zeit zur Verfügung stellen wollen”, sagt Krall.

Wie deren Einsatz dann genau aussieht, das stimmen die Familien und die Großeltern untereinander ab. Der Großelterndienst vermittelt und stellt lediglich den ersten Kontakt her. Zudem bietet er den Senioren einen monatlichen Gesprächskreis und ein gemeinsames Frühstück sowie Weiterbildungsveranstaltungen und Ausflüge an. Doch erst einmal gilt es, nach einem Bewerbungsgespräch mit Helga Krall, bei dem auch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis mitgebracht werden muss, die passenden Partner zu finden. „Wir sind sehr gewissenhaft dabei, schließlich möchten wir sichergehen, dass keine schwarzen Schafe dabei sind.” Dennoch könne man keine 100-prozentige Sicherheit garantieren. Man habe unter den rund 3000 vermittelten Großeltern bisher lediglich zwei Personen dabei gehabt, bei denen es Beschwerden gab.

Ansonsten klappe die Partnerschaft sehr gut. Familien schicken ihre Anfragen meist online mit einer Kurzbeschreibung ihrer Situation, einem Foto sowie ihren Wünschen. Dann können sich die Großeltern anhand dieses Profils und der Fotos aussuchen, wo sie hinwollen. Es kommt zu einem ersten Treffen in den Räumen des Großelterndienstes. Ist man sich sympathisch, besucht man das Zuhause seiner zukünftigen Familie und bespricht dann das weitere Vorgehen. “Oft holen die Wunschgroßeltern die Kinder von der Kita ab, gehen mit ihnen auf den Spielplatz und bringen sie dann nach Hause, wo sie mit ihnen spielen oder ihnen etwas vorlesen”, sagt Krall. Manchmal geht es auch in den Zoo oder ins Theater, je nachdem, was vereinbart wurde, wie bei richtigen Großeltern eben.

„Es geht um eine langfristige Partnerschaft. Im Durchschnitt bleibt man etwa sieben bis acht Jahre in der Familie und bekommt auch eine Bindung zu seinen Wunschenkeln”, erläutert die Projektleiterin. Eine Oma habe immer noch Kontakt zu ihrem Wunschenkel und der sei bereits 28 Jahre alt.

Wer sich als Wunschoma oder Wunschopa einbringen will, sollte etwa 20 Stunden Zeit pro Woche einplanen. Die Bewerber sollten zwischen 50 und 70 Jahre alt und geistig fit sein. „Großeltern sind keine Babysitter, sie sollten nicht nur für nächtliches Aufpassen eingesetzt werden. Es geht um eine langfristige Einbindung in die Familie”, so die Projektleiterin.

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Besichtigungstour mit den Berliner Wasserbetrieben

Anlässlich des Sommers, in dem sich viele Berliner mit noch mehr Wasser als sonst aus der Leitung erfrischen, hatten die Berliner Wasserbetriebe zu einer Besichtigungstour eingeladen. Am 28. Juni ging es zu den Brunnen des Wasserwerks Tegel.

Bei der ersten Station hört nur ein Teil der Journalisten zu, wenn Brunnen-Manager Volker Jordan erklärt, wie in drei Becken im Waldgebiet zwischen Bernauer Straße und Tegeler See Wasser versickert und von winzigen Mikroorganismen von Stoffen gereinigt wird, die Menschen ungern im Trinkwasser finden. Vor allem Fotografen achten lieber auf die Flugzeuge, die im Minutentakt von Tegel aus starten.

Die Nähe von Wasserwerk und Flughafen ist laut Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe, kein Problem. Schadstoffe würden nicht nachgewiesen und rechtlich ist die Nachbarschaft eindeutig: „Wir waren zuerst da”, sagt Natz. Schon 1877 wurde das Wasserwerk Tegel gegründet, als zweites nach dem 1856 an der Oberbaumbrücke errichteten Werk. Heute speist es bis zu 260 000 Kubikmeter ins Berliner Leitungsnetz ein.

Gefördert wird das Wasser aus 130 Vertikalbrunnen, die rund um den Tegeler See und auch auf den Inseln darin zu finden sind. Sie reichen bis zu 60 Meter in den Untergrund. Die Unterwasserpumpen liefern zwischen 50 und 150 Kubikmeter pro Stunde. Eine Besonderheit ist der Horizontalfilterbrun-nen auf der Insel Scharfenberg, der 16 Meter in den Untergrund reicht. Zwei Unterwassermotorpumpen fördern aus sternenförmig vom Schacht ausgehenden Rohren jeweils maximal 250 Kubikmeter Wasser pro Stunde.

Ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem schützt die Brunnen. Als Brunnen-Manager Jordan auf der unbewohnten Insel Baumwerder einen der Brunnen aufschraubt, ruft er in der Zentrale an: Die würde das Öffnen sofort registrieren und nachsehen lassen. Schließlich sollen keine Schadstoffe ins System gelangen.

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Straßensanierung in Berlin-Tegel

Die Berliner Straße ist in den kommenden Wochen zwischen den Kreuzungen Egells- und Wittestraße sowie Holzhauser und Bernauer Straße ein Nadelöhr für Autofahrer. Grund ist die Straßensanierung zwischen Tegel-Süd und Tegeler Zentrum.

Am 8. Juli hat die Sanierung in dem genannten Bereich begonnen. Über die Berliner Straße gelangt ein großer Teil des Autoverkehrs aus dem Norden Reinickendorfs ins Berliner Zentrum und auf den Stadtring. Über die Kreuzung an der Holzhauser Straße rollt zudem ein Großteil des Verkehrs zwischen Reinickendorf und Spandau.

„Für die Baumaßnahme konnten Mittel der Senatsverwaltung für Finanzen zur saisonal bedingten Verstärkung der Tiefbauunterhaltung sowie Gelder zur Lärmminderung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt akquiriert werden”, sagt Martin Lambert (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt, Ordnung und Gewerbe. Er freut sich über die weitere Verbesserung der Reinickendorfer Verkehrsinfrastruktur.

Die Kosten für die neue Fahrbahnfläche von rund 11 000 Quadratmetern betragen 900 000 Euro und beinhalten das Auftragen eines lärmarmen Fahrbahnbelages. Die Maßnahme kann voraussichtlich bis zum 3. August abgeschlossen werden.

Verkehr wird einspurig.

Die Arbeiten erfolgen in zwei Bauabschnitten. Der Verkehr wird in dieser Zeit in jede Fahrtrichtung auf eine Spur reduziert. Die Bushaltestellen (Linie 134 und N 8) in Höhe der Namslaustraße werden angefahren. Das Abbiegen aus der Berliner in die Holzhauser Straße ist nicht möglich. Autofahrer mit dem Ziel Bundesautobahn ? 111 sollten über die Wittestraße oder die Anschlussstellen Seidel- und Antonienstraße ausweichen.

„Die Baumaßnahme bedeutet für die Verkehrsteilnehmer eine Einschränkung. Dies bedaure ich, bitte aber gleichzeitig um Verständnis”, sagt Stadtrat Martin Lambert. Nach Abschluss der Arbeiten sei die Fahrbahn wieder in einem einwandfreien und lärmarmen Zustand, verspricht er.

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Flughafen Tegel Ende

Die Eröffnung des Car-go Centers am künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) in Schönefeld am 3. Juli hat bei Reinickendorfer Politikern die Zuversicht bekräftigt, dass mit der kompletten Eröffnung des neuen Flughafens der Tegeler Airport (TXL) geschlossen wird. Bei der Eröffnung in Schönefeld hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärt, dass der Zusammenhang von BER-Eröffnung und TXL-Schließung bestehen bleibt.

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Polizeichef will mehr Kontakt zu den Bürgern

Polizeipräsident Klaus Kandt setzt auf einen stärkeren Kontakt der Beamten mit den Bürgern in der Bundeshauptstadt. “Ich will, dass wir für die Menschen erkennbar und ansprechbar sind”, sagte Kandt in einer ersten Bilanz anlässlich seiner 100 Tage im Amt. So spiele die Ansprechbarkeit der Polizei an Brennpunkten eine wichtige Rolle. Mobile Kontaktstellen etwa am Alexanderplatz oder am Bahnhof Zoo in Kooperation mit der Bundespolizei sollen ein Zeichen setzen.

Zudem will Kandt mit einer Fahrradstaffel mehr Präsenz auf der Straße zeigen. Die Planungen dazu seien aber noch nicht abgeschlossen. “Ich kann mir vorstellen, dass 20 Polizisten und Pede-lecs ein guter Einstieg sein könnten”, sagte der 52-Jährige. Pede-lecs sind Elektrofahrräder. Der gebürtige Schwabe setzt bei der Werbung um neue Mitarbeiter gezielt auf Menschen mit Migrationshintergrund. “Die erforderlichen Einstellungszahlen können wir nur erreichen, wenn wir noch mehr als bisher Bewerber mit Immigrationshintergrund für die Polizei Berlin begeistern.”

Zum Stand der Vorkehrungen für die oftmals von Krawallen begleiteten Versammlungen zum 1. Mai machte Kandt keine Angaben. “Es sind noch nicht alle Demonstrationen angemeldet, die an dem Tag zu erwarten sind. Daher ist in der Planung und Vorbereitung noch einiges zu tun.”

Polizei-Einsätze wegen Zwangsräumungen wie jüngst in Kreuzberg werde es nicht geben, kündigte Kandt an. “Ich glaube nicht, dass es vermehrt zu solchen Einsätzen kommt. Die Zeit der Hausbesetzungen ist vorbei und mit der heutigen Lage nicht vergleichbar.” Der Einsatz der Polizei war seinerzeit heftig kritisiert worden.

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1000 Schüler scheitern im Probejahr am Gymnasium

Auch in diesem Jahr wird es in Berlin wieder mindestens 1000 Siebtklässler geben, die das Probejahr am Gymnasium nicht schaffen. Diese sogenannten Rückläufer werden auf einer Sekundärschule weiterlernen müssen. Doch für etliche der zwölf Berliner Bezirke ist das ein großes Problem. Wie schon vergangenes Jahr gibt es an vielen Sekundärschulen keine freien Plätze mehr in den achten Klassen. Die Schulträger werden deshalb erneut gezwungen sein, Extraklassen für Rückläufer einzurichten. Pädagogisch ist das sehr umstritten.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, sagt: „Wir haben die Gymnasien zum Halbjahr abgefragt und können nur bestätigen, dass es wieder viele Rückläufer geben wird.” Die ersten würden schon jetzt an den Sekundärschulen ankommen. Schuknecht hält das für vernünftig. „Sie haben Zeit, sich einzugewöhnen, und können dann im neuen Schuljahr gleich durchstarten.”

Besonders große Probleme gibt es in Tempelhof-Schöneberg. Jutta Kaddatz (CDU), Bildungs-stadträtin des Bezirks, ist verzweifelt. Sie spricht von einer äu-
ßerst schwierigen Situation. „Wir werden wieder etwa 90 Rückläufer haben”, sagt sie. Das habe kürzlich eine interne Umfrage an den Gymnasien des Bezirks ergeben. Extraklassen werde sie aber auf keinen Fall mehr aufmachen, betont Kaddatz. Sie kritisiert, dass es noch immer keine Möglichkeit gibt, an Sekundärschulen Plätze für Rückläufer aus den Gymnasien vorzuhalten. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Bildungsverwaltung nicht schon zum kommenden Schuljahr eine entsprechende Regelung getroffen hat”, sagte Jutta Kaddatz.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wollte sich dazu nicht äußern. Allerdings plant sie offenbar, an den Sekundärschulen Plätze für Rückläufer freizuhalten, indem die Klassenstärke reduziert wird. Ihr Sprecher Ilja Koschembar sagte: „Es gibt diese Überlegung. Die Koalition wird „Schüler müssen beim Übergang zur Oberschule noch viel besser beraten werden” Paul Schuknecht, Vorsitzender Berliner Schulleitervereinigung nach den Osterferien darüber beraten.”

Paul Schuknecht ist allerdings schon jetzt davon überzeugt, dass es nicht ausreichen wird, die siebten Klassen an den Sekundärschulen künftig mit 25 statt mit 26 Schülern einzurichten. Damit werde es nicht möglich sein, alle Rückläufer in vorhandenen Klassen integrieren zu können. „Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, sagt Schuknecht. In Charlottenburg-Wilmersdorf etwa gebe es bei zwölf Gymnasien nur fünf Sekundärschulen, die Rückläufer aufnehmen können. Seine Schule, die Friedensburg-Sekundarschule, gehöre dazu.

Um Platz für Rückläufer freizuhalten, will Schuknecht im kommenden Schuljahr nur noch drei statt vier siebte Klassen einrichten. Eine gute Lösung sei das aber nicht, sagt er. „Wir sind eine stark nachgefragte Schule. Wenn wir jetzt noch weniger Plätze anbieten als sonst, nur um in den achten Klassen Schüler aufnehmen zu können, die eigentlich gar nicht zu uns wollen, dann ist das denen gegenüber ungerecht, die sich bei uns beworben haben.” Am besten wäre es, wenn es erst gar nicht zu einer so hohen Rückläuferquote käme. „Eltern und Schüler müssen beim Übergang auf die Oberschule noch viel besser beraten werden”, fordert Schuknecht.

Im vergangenen Jahr sind in Tempelhof-Schöneberg alle Kinder, die es am Gymnasium nicht geschafft hatten und vom Bezirk versorgt werden mussten, an einem Extra-Standort unterrichtet worden. An den elf Sekundärschulen des Bezirks hatte es keine Plätze mehr gegeben. Die sogenannte Rückläuferschule hatte für Schlagzeilen gesorgt. So war unter anderem von Restschule und einer pädagogisch fragwürdigen Ansammlung von demotivierten Schülern die Rede. Inzwischen ist aus dem Extra-Standort eine neue Sekundärschule geworden. Die Lehrergewerkschaft GEW hatte bereits Ende des vergangenen Schuljahres gefordert, an jeder Sekundärschule bereits in den siebten Klassen zwei Plätze für Rückläufer freizuhalten. Statt 26 Schüler sollten nur 24 aufgenommen werden. Das würde etwa 1000 Plätze für Rückläufer ergeben, errechneten die Gewerkschafter.

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