Mehr als zwei Monate nach dem spektakulären Tunneleinbruch in Steglitz sind die Mitglieder der Bande noch nicht identifiziert. Die Ermittler sind sich jedoch relativ sicher, dass die Täter die Volksbank an der Schloßstraße bereits vor dem Coup im Januar zwei Mal im Visier hatten. „Eine Verbindung zu zwei früheren Einbrüchen in dieselbe Filiale im Oktober 2010 und Januar 2012 sehen die Ermittler Tunnel als wahrscheinlich an”, bestätigte Polizeisprecher Martin Dams. Eine heiße Spur zu den Tätern gebe es jedoch noch nicht.

Bei dem ersten Einbruch in die Bankfiliale seien die Täter im Keller an der stabilen Wand zum Tresorraum gescheitert. Beim zweiten Versuch gelang es den Unbekannten, aus den Räumen des Geldinstituts ein Notebook zu stehlen. Auf dem seinerzeit gestohlenen Gerät seien aber weder Kundendaten noch relevante Informationen über die Schließ-fachanlage gespeichert gewesen, sagte Volksbank-Sprecherin Nancy Mönch.

3000 Stücke identifiziert

Die Folgen des geglückten Einbruchs in den Tresorraum werden Mitarbeitern des Geldinstituts noch monatelang viel Arbeit bereiten. Seit mehr als drei Wochen sind durchschnitthch acht Bankangestellte mit der Zuordnung der von den Tätern zurückgelassenen Wertsachen beschäftigt. Dabei sei eine sorgfältige Analyse ein absolutes Muss, betont die Banksprecherin. Gerade die Zuordnung nicht namentlich gekennzeichneter Gegenstände aus den aufgebrochenen Schließfächern sei zeit- und arbeitsintensiv. Die Einbrecher hatten bei ihrer Flucht ein heilloses Chaos angerichtet, und Bargeld, Schmuck sowie Münzen im Tresorraum und in dem von ihnen gegrabenen Tunnel hinterlassen. Weil die Täter vor ihrem Verschwinden zudem Feuer gelegt hatten, waren in Tunnel und Tresorraum auch zahlreiche Dokumente verbrannt.

Nur mithilfe einer konkreten Schadensaufstellung der Kunden könnten diese Funde abgeglichen und ihren rechtmäßigen Besitzern zugeordnet werden. Mehr als 3000 Gegenstände waren von einem zwölf Mitarbeiter starken Team, das auch an Wochenenden ständig arbeitete, innerhalb eines Monats identifiziert, beschrieben und fotografiert worden. „Dabei gilt beispielsweise eine aus etlichen Stücken bestehende Münzsammlung als ein einziger Gegenstand”, sagte die Banksprecherin.

Immerhin konnte die Volksbank inzwischen 101 Schließfachbesitzern zweifelsfrei zugeordnete Wertgegenstände zurückgeben. Bis Ostern seien weitere 20 Termine für Übergaben an Kunden vorgesehen. Alle vom Einbruch betroffenen Bankkunden, die ihre Wertsachen noch nicht zurückbekommen haben, da sie noch nicht sicher zugeordnet werden konnten, würden demnächst erneut angeschrieben. „Aus unerfindlichen Gründen haben sich acht der Geschädigten trotz zugestellter Einschreiben nicht bei uns gemeldet. Diese fehlenden Rückmeldungen samt der dazugehörigen Schadensmeldungen erschweren leider die sichere Zuordnung der Wertsachen”, so die Sprecherin weiter.

Wie berichtet, hatten die Täter genau 309 der mehr als 900 vermieteten Schließfächer aufgebrochen. In 294 Fächern wurden die Kriminellen auf der Suche nach Wertsachen fündig. Warum die Täter das Ausräumen abbrachen und viele Wertsachen nicht mitnahmen, ist nach wie vor unklar. Auch die Frage, warum die Einbrecher eine so hohe Trefferquote hatten – schließlich blieben 700 nicht vermietete Schließfächer unangetastet -, konnte auch jetzt noch nicht schlüssig beantwortet werden. Klar erscheint indes, dass die Tater aus Osteuropa stammen dürften.

Seit der Tunnel zum Tresorraum der Volksbank in der Nacht zum 14. Januar entdeckt worden war, erreichten rund 400 Hinweise die Polizei. Derzeit sind noch fünf Kriminalbeamte mit Hochdruck an dem Fall beschäftigt. Die Hoffnung, durch die am Tatort gesicherten DNA-Spuren einen der mutmaßlich fünf bis sechs Tatverdächtigen identifizieren zu können, hat sich bislang jedoch nicht erfüllt. Allerdings sei die DNA-Auswertung laut Polizei noch nicht abgeschlossen.