In Berlin müssen investitionswillige Unternehmen mehr als anderthalb Jahre warten, bis der Liegenschaftsfonds des Landes und die politisch Verantwortlichen sich für die Vergabe eines landeseigenen Grundstücks zur Erweiterung des Betriebs entschließen können. Die Firma We-besan, die Wasserschäden in Gebäuden saniert, wartet seit Juni 2011 darauf, eine Gewerbefläche in Marzahn-Hellersdorf kaufen zu können.

Der dortige Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) spricht von zehn vergleichbaren Fällen allein in seinem Bezirk. Dort wartet auch der Automobilzulieferer Scansonic auf eine Entscheidung der Gremien. Laut einer Liste der Senatswirtschaftsverwaltung mit betroffenen Unternehmen, die der Berliner Morgenpost vorhegt, geht es dabei um eine Investition von 9,5 Millionen Euro, die fast 180 zusätzliche Jobs bringen würde. Auf der Liste finden sich neben 25 weiteren Firmen auch das Umzugsunternehmen Zapf, das von Kreuzberg nach Neukölln wechseln will, sowie die Firma Landau Media, die an der südlichen Friedrichstraße bauen möchte.

Weil die Koalition den Umgang des Landes mit seinen Liegenschaften neu ausrichten will, herrscht seit Monaten Unklarheit, unter welchen Voraussetzungen ortsansässige Firmen überhaupt noch durch die direkte Vergabe von Grundstücken begünstigt werden dürfen. Auf Druck von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) kam immerhin am 11. März noch einmal der Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds zusammen, um über sieben alte Verfahren positiv zu beschließen. Darunter war das Votum für die Direktvergabe eines Grundstücks am Humboldthafen, wo sich die derzeit noch in Hamburg residierende Werbefirma Hirschen Group mit dem Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft ein gemeinsames Domizil errichten will.