Auch in diesem Jahr wird es in Berlin wieder mindestens 1000 Siebtklässler geben, die das Probejahr am Gymnasium nicht schaffen. Diese sogenannten Rückläufer werden auf einer Sekundärschule weiterlernen müssen. Doch für etliche der zwölf Berliner Bezirke ist das ein großes Problem. Wie schon vergangenes Jahr gibt es an vielen Sekundärschulen keine freien Plätze mehr in den achten Klassen. Die Schulträger werden deshalb erneut gezwungen sein, Extraklassen für Rückläufer einzurichten. Pädagogisch ist das sehr umstritten.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, sagt: „Wir haben die Gymnasien zum Halbjahr abgefragt und können nur bestätigen, dass es wieder viele Rückläufer geben wird.” Die ersten würden schon jetzt an den Sekundärschulen ankommen. Schuknecht hält das für vernünftig. „Sie haben Zeit, sich einzugewöhnen, und können dann im neuen Schuljahr gleich durchstarten.”

Besonders große Probleme gibt es in Tempelhof-Schöneberg. Jutta Kaddatz (CDU), Bildungs-stadträtin des Bezirks, ist verzweifelt. Sie spricht von einer äu-
ßerst schwierigen Situation. „Wir werden wieder etwa 90 Rückläufer haben”, sagt sie. Das habe kürzlich eine interne Umfrage an den Gymnasien des Bezirks ergeben. Extraklassen werde sie aber auf keinen Fall mehr aufmachen, betont Kaddatz. Sie kritisiert, dass es noch immer keine Möglichkeit gibt, an Sekundärschulen Plätze für Rückläufer aus den Gymnasien vorzuhalten. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Bildungsverwaltung nicht schon zum kommenden Schuljahr eine entsprechende Regelung getroffen hat”, sagte Jutta Kaddatz.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wollte sich dazu nicht äußern. Allerdings plant sie offenbar, an den Sekundärschulen Plätze für Rückläufer freizuhalten, indem die Klassenstärke reduziert wird. Ihr Sprecher Ilja Koschembar sagte: „Es gibt diese Überlegung. Die Koalition wird „Schüler müssen beim Übergang zur Oberschule noch viel besser beraten werden” Paul Schuknecht, Vorsitzender Berliner Schulleitervereinigung nach den Osterferien darüber beraten.”

Paul Schuknecht ist allerdings schon jetzt davon überzeugt, dass es nicht ausreichen wird, die siebten Klassen an den Sekundärschulen künftig mit 25 statt mit 26 Schülern einzurichten. Damit werde es nicht möglich sein, alle Rückläufer in vorhandenen Klassen integrieren zu können. „Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, sagt Schuknecht. In Charlottenburg-Wilmersdorf etwa gebe es bei zwölf Gymnasien nur fünf Sekundärschulen, die Rückläufer aufnehmen können. Seine Schule, die Friedensburg-Sekundarschule, gehöre dazu.

Um Platz für Rückläufer freizuhalten, will Schuknecht im kommenden Schuljahr nur noch drei statt vier siebte Klassen einrichten. Eine gute Lösung sei das aber nicht, sagt er. „Wir sind eine stark nachgefragte Schule. Wenn wir jetzt noch weniger Plätze anbieten als sonst, nur um in den achten Klassen Schüler aufnehmen zu können, die eigentlich gar nicht zu uns wollen, dann ist das denen gegenüber ungerecht, die sich bei uns beworben haben.” Am besten wäre es, wenn es erst gar nicht zu einer so hohen Rückläuferquote käme. „Eltern und Schüler müssen beim Übergang auf die Oberschule noch viel besser beraten werden”, fordert Schuknecht.

Im vergangenen Jahr sind in Tempelhof-Schöneberg alle Kinder, die es am Gymnasium nicht geschafft hatten und vom Bezirk versorgt werden mussten, an einem Extra-Standort unterrichtet worden. An den elf Sekundärschulen des Bezirks hatte es keine Plätze mehr gegeben. Die sogenannte Rückläuferschule hatte für Schlagzeilen gesorgt. So war unter anderem von Restschule und einer pädagogisch fragwürdigen Ansammlung von demotivierten Schülern die Rede. Inzwischen ist aus dem Extra-Standort eine neue Sekundärschule geworden. Die Lehrergewerkschaft GEW hatte bereits Ende des vergangenen Schuljahres gefordert, an jeder Sekundärschule bereits in den siebten Klassen zwei Plätze für Rückläufer freizuhalten. Statt 26 Schüler sollten nur 24 aufgenommen werden. Das würde etwa 1000 Plätze für Rückläufer ergeben, errechneten die Gewerkschafter.