Irgendwann mußt Du nach Biel!

Oktober 22nd, 2011 · Keine Kommentare

Irgendwann mußt Du nach Biel. Somit stand Biel also auch auf meiner Wunschliste. Die Bieler Lauftage fanden in diesem Jahr vom 16.-18.06.2011 statt. Es gibt genügend Berichte über Biel. Muß es einen mehr geben? Aus meiner Sicht möchte ich lediglich beschreiben, daß auch mit relativ wenig Aufwand das Ziel erreicht werden kann.

In den letzten Jahren bin ich Distanzen bis maximal 51km – Harzquerung – gelaufen. Weiter bin ich bisher nie gekommen. Angeblich – so sagt man – ist alles darüber nur eine Sache des Kopfes. Somit habe ich also bereits sehr früh, am 10.12.2010, die Anmeldung für Biel vorgenommen, um langfristig ein Ziel zu haben. Gleichzeitig wurde als Vorbereitung erneut die Harzquerung sowie als Steigerung der GutsMuths-Rennsteiglauf mit der Distanz von 72,7km gewählt.

Die beiden Vorbereitungsläufe dienten lediglich dazu, lange Distanzen zu erkunden, denn meine üblichen Runden innerhalb der Woche verlaufen im Grunewald und gehen bis maximal 30km. Längere Strecken sind zeitlich bedingt durch Arbeit und Familie schwer machbar. Da ich in der Regel morgens zwischen 6.15 und 6.30 Uhr starte, d.h. vor dem Frühstück, sind mit den 30km auch meine Grenzen erreicht.

Der Winter verlief eher entspannt mit 2-3 Läufen/Woche, um fit zu bleiben. Mittwochs nach der Arbeit geht es vom Mommsenstadion in den Grunewald und am Samstag/Sonntag früh los. Als Motivation, um durch den Winter zu kommen, gab es den Berliner Halbmarathon am 3.04.2011. Im Frühjahr steigerte ich mich dann auf monatlich bis zu 300 km/Monat, um hoffentlich genügend trainiert zu haben. Heute bin ich sicher, es darf auch weniger sein.

Dann ging es zu den eigentlichen Vorbereitungsläufen, zuerst die Harzquerung. Dieser startet in Wernigerode und endet in Nordhausen. In Wernigerode schlafen wir entweder im Schanzenhaus (nicht erschrecken, die Webseiten sind vermutlich vor 15 Jahren erstellt und nie geändert worden) oder in dem vom Namen her besser zum Lauf passenden Ort Elend. Das Hotel “Grüne Tanne” liegt zwar 20 Auto-Minuten von Wernigerode und somit dem Start der Harzquerung entfernt, jedoch ist das Hotel durchaus empfehlenswert. Das Schanzenbaus hat dagegen in den letzten Jahren stark nachgelassen, der Besitzer hat gewechselt, die Küche hat sich in die gleiche Richtung bewegt.

Die Harzquerung ist landschaftlich immer wieder zu empfehlen. Mit unter 5 Stunden lief ich sicherlich auch innerhalb der machbaren Zeit, wenn man das Laufen lediglich als Hobby betreibt.

RennsteiglaufDann kam der Rennsteiglauf – knapp 73km. In Eisenach habe ich keine 5 Minuten vom Zentrum eine kleine Wohnung reservieren können. Damit kann man auch einen Start um 6.00 Uhr aushalten. Um 4.30 Uhr aufstehen und zum Frühstück gehen ist für mich – selbst als Frühaufsteher – keine Freude.

Den Inselsberg erreicht man nach knapp über 20km bei schönstem Sonnenaufgang (nur bergauf) gegen 8.30 Uhr. Danach geht es weitere 50km leicht runter und hoch. Die Verpflegung ist sehr gut, die Betreuung an den Ständen unheimlich nett.

Fotos von mir erspare ich uns an dieser Stelle lieber, da diese nach der Distanz nicht mehr wirklich nett aussehen. Wer selbst läuft, weiß wie man nach 73km aussieht. Das Ziel befindet sich in Schmiedefeld, so daß man sich organisiert mit dem Bus oder Familie/Freunden nach Hause fahren lassen muß.

Nun aber zu meinem eigentlichen Ziel – die Bieler Lauftage. Vor ca. 10 Jahren bin die Strecke bereits als Begleitung auf dem Rad mitgefahren. Meine heutige Schwägerin lief die Strecke unter 10 Stunden. Somit hatte ich auch ein Ziel. Für uns war das damals unbegreiflich, was die da alle trieben. Wir fuhren gern Rad, insofern waren wir gern dabei.

Wir haben 4 Tage für die Schweiz eingeplant. Die Bieler Lauftage finden in – wo sonst – Biel statt. Die Anmeldung und das Ziel befinden sich am wunderschönen Bieler See. Somit ist es ratsam, eine Unterkunft in der Nähe vom See zu suchen.

Direkt Vorort am See ist auch eine Jugendherberge. Das eigentlich Interessante an der Jugendherberge ist die Brauerei, die eine prima Vorbereitung für den Lauf garantiert.

Wir wohnten allerdings im Mercure Plaza. Das Hotel ist durchaus von Preis/Leistung zu empfehlen und liegt nahe beim Start direkt im Zentrum. Die Brauerei der Jugendherberge liegt nicht weit entfernt und lockte uns mehrfach an den See. Das Essen ist dort ebenfalls einfach lecker, die Preise dazu für Schweizer Verhältnisse einfach günstig.

Bieler LauftageDer Start erfolgt mitten in der Stadt Biel. Der Lauf begann um 22.15 Uhr. Der Regen startete 3 Minuten später und hielt bis zum Ziel mit einer kurzen Pause zum Sonnenaufgang an.

Die Bieler Lauftage bieten neben dem Halbmarathon auch die Marathon-Distanz sowie Staffeln an. Hier an dieser Stelle sei dies erwähnt, da dadurch ständig Läufer ausstiegen oder frisch wieder reinkamen – für mich jedoch triefend nass die 100km zu absolvieren waren. Meine Frau kam mit dem Rad ab km 25 dazu. Ihre erste Frage, “Wie geht’s Dir” habe ich glaube ich nicht einmal mehr beantwortet. “Bitte, lass eine Speiche brechen oder die Kette reißen, so daß ich nach Hause kann”, so lief ich in Gedanken weiter und hoffte frühzeitig auf ein Ende.

Der Lauf ist bei Regen oder wolkigem Himmel nur mit Stirnlampe zu empfehlen. Ich hatte auch genügend eigene Verpflegung und Getränke mit, um jederzeit unabhängig zu sein –  eben eine reine Kopfsache. Prinzipiell benötigt man das jedoch nicht. Ich lief somit von Verpflegungsstand zu Verpflegungsstand. Gels, Brühe, Kuchen,Brot, Obst, Getränke – es gibt einfach alles. Die Organisation ist einfach perfekt. Alle 5 km hatte ich somit ein Ziel, um die Strecke abzurollen.

Am Vortag hatte ich in der lokalen Presse noch ein Interview in der lokalen Bieler Presse gelesen. Der Läufer erwähnte hier, daß man “immer trockene Socken haben sollte”. Das war neu für mich, hat mir aber vermutlich einiges an Schmerzen und Blasen erspart. Ich bin sogleich in den Bieler Intersport und holte mir ein zweites Paar Laufsocken, die ich auch nach dem berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad anzog. Der Ho-Chi-Minh-Pfad führt ab km 58 als schmaler Pfad für 12 km entlang eines Flüsschens über Wurzeln, Steine, Löchern und Hügeln. Das ständige Wegrutschen in nassen Schuhen machte meinen fußen zu schaffen. Somit brachten die trockenen Socken wieder Ruhe in meinen Schuh.

Ins Ziel kam ich dann mit 10:26 Stunden. Auf den letzten Metern hatte ich mir geschworen, maximal noch bis zum Bäcker laufen zu gehen. Aus heutiger Sicht denke ich, daß der Regen sowie der bedeckte Himmel und somit bis zum Sonnenaufgang im finstern mit Stirnlampe nicht wirklich motivierend wirkten. Der Kopf wollte einfach nicht. Laufe 10 Stunden im Regen und sage mir, was dich motivieren kann! Ich hatte wenig Schmerzen und keine Krämpfe. Den Nachmittag lief ich bereits schon wieder durch die Altstadt und saß bei Käse-Fondue und Kirschwasser im Restaurant. Insofern ging es mir physisch eigentlich sehr gut.

Inzwischen habe ich mich erneut für den 40. GutsMuth-Rennsteiglauf sowie den Berliner Marathon für das Jahr 2012 angemeldet. Geplant ist ebenfalls der Swissalpine in Davos. Wer einmal den Trailer auf der Webseite sieht, spürt wie sich ein kalter Schauer auf dem Rücken niederlässt. Irgendwann mußt Du nach Davos!

Tags: laufen

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