Die Aussagen des Herren Erdogan erinnern mich – aus deutscher Sicht –  fatal an die Aussagen eines Herren Hitler zu Beginn des “Dritten Reiches”…

Auch hier wurde behauptet, daß man ja demokratisch an die Macht gekommen sei und die Mehrheit des deutschen (bei Erdogan eben des türkischen) Volkes vertreten würde… Andersdenkende Personen wurden dann als “Volksfeinde, Verbrecher schädliche Elemente (eben Terroristen) dargestellt…

So bezeichnet Herr Erdogan jetzt die Demonstranten…

Gerade aber diese Ausdrucksweise des Herren Erdogan gegenüber den friedlichen türkischen Demonstranten – nun – sie erinnert mich fatal an die Aussagen des vorher benannten “Herren des dritten Reiches“…

Finde ich sehr, sehr bedenklich! Mein Mitgefühl bekunde ich ausdrücklich den friedlichen Demonstranten, welche gerade sichtbar einem willkürlichen staatlich sanktionierten Terror ausgesetzt sind!

Leider ist in einer weiteren Analogie  ja auch schon ein großer Teil der türkischen Presse “Gleichgeschaltet”… Daher versteht man natürlich auch den Haß, welchen Herr Erdogan gegenüber der freiheitlichen Weltpresse empfindet…

Diese unterliegt eben nicht seiner Kontrolle… Auch hier läßt sich eine erschreckende Parallele zu unserer eigenen deutschen Geschichte ziehen.

Bezeichnend auch, daß Herr Erdogan mit seinem Vorgehen auch gegen das ebenso für Ihn selber geltende türkische Recht verstößt – gleichfalls eine Analogie…

Erschreckend gleichfalls, daß es hier keine weitere maßregelnde Instanz mehr gibt…

Das Demonstrationsrecht ist in der türkischen Verfassung   nach  Artikel 34 (der Verfassung von 1982) garantiert. Der Artikel 3 des Gesetzes 2911 zu Demonstrationen und Kundgebungen, der Einzelheiten regelt, gesteht den türkischen Bürgen ebenfalls das Recht auf friedliche Demonstrationen zu, ohne daß diese voher angemeldet werden müssen.

(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrec…)

Woher kommen die Reaktionen des Herrn Erdogan? Oder ist er mittlerweile so abgehoben, daß er sich schon für den neuen türkischen Sultan hält? Völlig unverständlich…

Für mich gehört zur Demokratie auch die Achtung und Wertschätzung der Meinung andersdenkender Menschen!

In diesem Sinne bedeutet das Vorgehen Erdogans – einen bösartigen Rückschritt ! Auch wenn er politisch und wirtschaftlich bisher scheinbar auch einige Erfolge verzeichnen konnte – durch sein nun an den Tag gelegtes Verhalten – macht er alle diese zunichte – oder besser – er zerstört diese sogar.

In seinen Argumentationen und seinem Verhalten (gemeint ist hier die Terminologie) läßt sich erschreckenderweise durchaus auch eine Analogie zu einem „Herrn Assad“ erkennen (welchen er vorgeblich ja eigentlich bekämpft) – menschenverachtend (auch gerade wenn man – auf die jetzt getätigten Aufrufe Herrn Erdogans – rezipiert…)

Auch dies kennen wir durchaus aus unserer Geschichte…

Für mich gilt daher mein Mitgefühl den Reformkräften in der Türkei!

Diese sollte man unterstützen, nicht aber ein totalitäres diktatorisches System, welches gerade unter dem vermeintlich demokratischen Deckmantel, seine erschreckende Fratze zeigt!

Explizit möchte ich hervorheben, daß diese Aussagen nichts – aber auch gar nichts – mit jeglicher Art von Glauben zu schaffen haben!

Wenn überhaupt, dann kommt hier allenfalls eine Mißachtung von Glaubensgeboten zum Vorschein! Mit einem friedlichen Zusammenleben – welches die Grundlage einer jeden Art von Glauben ist –  hat das aktuelle Gebaren der türkischen Führung nichts gemein!

 

Hach was bin ich froh schließe beide Äuglein zu vor der Uni Pseudo-Neu-Reform.

Nein mal im Ernst, ich bin wirklich absolut froh, daß ich vor doch schon etwas längerer Zeit studiert habe und damit noch ein Diplom incl. des minderwertigeren Masters in der Tasche habe! In meiner Profession stellt sich der Unterschied vom Diplom zum Bachelor/Master nun so dar:

Die Studieninhalte blieben weitestgehend gleich – nur daß die Uni diese nun etwas anders vermischt. Der Unterschied vom Bachelor zum Master konstituiert sich lediglich durch die Halbierung des Stoffes. Mit einem Bachelor hat man also nur ein halbes Diplom (nicht einmal eine grundständige Ausbildung – es fehlt halt nur die Hälfte – auch der Basics) – super gemacht!

Mit einem Master erst, erhält man dann (natürlich nicht jeder, denn hier wird natürlich “AUSGESIEBT”…) erst die Ausbildung, die man mit einem normalen Diplom sowieso erhalten hätte.

Na, das nenne ich doch einmal eine gut gemacht Reform! Wenn es nicht so traurig wäre, dann wäre es einfach nur zum lachen…

Auch finde ich amüsant, daß man nun auch schon die  Sprache zur Selektion der Studenten nuzt!

Natürlich, wie könnte es in Deutschland anders sein, hat man die Englisch gewählt (zumidest selektiert dies den “Ostblock” aus…)…

Hm, war mir nicht so, daß auch Studenten mit wenig finanziellen Mitteln nicht diskriminiert werden sollten? Da finde ich ja dann folgende Textpassage sehr aufschlußreich:

“Die Vielzahl an zu erbringenden Präsentationen und Hausarbeiten während des Semesters erweitert einerseits das eigene Wissen und die Fähigkeit wissenschaftlich zu arbeiten, setzt andererseits aber auch ein hohes Maß an Disziplin, Organisationsvermögen, Konzentration und die Bereitschaft zur Erbringung einer hohen Arbeitsleistung voraus. Im Semester einem Nebenjob nachzugehen, ist nur bedingt zu empfehlen. Auch Praktika sollten am besten vor dem Master absolviert werden.”

Quelle: http://www.wiwiss.fu-berlin.de/studium-lehre/master/m-m/erfahrungsbericht/index.html; 08.01.2010; 17:44 Uhr

Wie man sieht von Gleichstellung und Diskriminierungsfreiheit kann hier wohl nicht die Rede sein…

Hier zählt dann doch wohl eher die finanzielle Ausstattung der Klientel…

Die extreme Selektion und Zugangsbeschränkung der bisher allen Studenten zugänglichen Qualifikation wird – wie könnte es auch anders sein – natürlich nur positiv gesehen (in der eben genannten Quelle zu finden):  “…Arbeitsbedingungen sehr gut. Die intensive Betreuung der Professoren und die kleine Kursgröße sorgen für eine steile Lernkurve und eine außergewöhnliche Lernatmosphäre. Man erhält sehr detailliertes Feedback und hat durch die Interdis¬¬ziplinarität der Fächer und die daraus resultierenden Synergien die Chance, die eigene Leistung während des Semesters enorm zu steigern.”

Quelle: http://www.wiwiss.fu-berlin.de/studium-lehre/master/m-m/erfahrungsbericht/index.html; 08.01.2010; 17:44 Uhr

Auch die Selekltion per Sprache und Auslandsaufenthalt bleibt nicht unerwähnt:

“Der Master ist durch das integrierte Auslandssemester international ausgerichtet. Die Kurse werden in den ersten beiden Semestern zwar fast ausschließlich auf Deutsch abgehalten, die zu lesenden Artikel sind allerdings zum Großteil auf Englisch. Gute bis sehr gute Englischkenntnisse sind von daher unerlässlich.”

Quelle: http://www.wiwiss.fu-berlin.de/studium-lehre/master/m-m/erfahrungsbericht/index.html; 08.01.2010; 17:44 Uhr

Wie blind müssen unsere Bildungspolitiker nur sein…

Über den nur auf Unternehmen zugeschnittenen Studieninhalt wird ebenfalls nicht geschwiegen:

“Der Master of Science in Management and Marketing ist eine Mischung aus theoriegeleiteten Vorlesungen und praxisnahen Übungen. Die Kurse folgen alle dieser Zweiteilung, sind inhaltlich aber dennoch sehr unterschiedlich ausgestaltet. Während man z.B. in der Übung zum Strategischen Management in kleinen Teams Fallstudien bearbeitet und die Lösung im Rahmen einer Unternehmensberatungssimulation präsentiert, setzt man sich im praxisnahen Teil der Veranstaltung Käuferverhalten und Marketingkommunikation mit Journal-Artikeln auseinander, um Kursdiskussionen um wesentliche Erkenntnisse aus aktuellen Studien bereichern zu können.”

Quelle: http://www.wiwiss.fu-berlin.de/studium-lehre/master/m-m/erfahrungsbericht/index.html; 08.01.2010; 17:44 Uhr

Tja, ich glaube Geisteswissenschaft sieht anders aus…

Traurig!

Cebit – und KEINER geht hin…

Es gab einmal eine Zeit (in den 80´igern und bis Mitte der 90´er) – da waren die Computer großes Neuland und es gab jedes Jahr neue Wunder zu sehen…

Zu dieser Zeit fuhr ich noch gerne zur Cebit.

Später dann, insbesondere zur Zeit des new economy booms explodierte die Messe und man wurde dort nur noch von der und den Massen erschlagen. Eigentlich konnte man nichts mehr sehen denn es war überall voll, es herrschte hektisches Chaos undeigentlich hätte die Messe wegen Überfüllung geschlossen werden sollen. Man konnte nur mit unendlicher Geduld etwas zu essen oder Trinken bekommen (schlechte Currywurst und wässerige Cola light). Der Lärmpegel und das vorgetragene “Entertainment” waren schier unerträglich. Die einzigen wirklichen Lichtblicke jener Zeit waren die “Nachmesse-Partys” und die zumeist wirklich ansehnlichen Hostessen.

Eigentlich aber – verging einem immer mehr die Lust zur Cebit zu fahren – kostete nur Zeit und Nerven und brachte Geschäftlich fast nichts.

Somit war ich fast immer recht lustlos wenn das Thema Cebit auftauchte.

In diesem Jahr musste ich dann qua Funktion doch mal wieder zur Cebit. Ich stellte mir schon den Horror vor.

Doch diesbezüglich wurde ich wirklich angenehm überrascht. Schon bei der Anreise wunderte ich mich gehörig – wo war der übliche Stau, wo war das Chaos auf dem Messeschnellweg, wo war das Parkplatzchaos? Nichts von all dem war zu finden. Man konnte im Parkhaus direkt an der Messe parken (da hätte ich früher nie eine Chance gehabt) und auch am Eingang – wo sonst die Schlangen der Besucher unendlich waren, herrschte gähnende Leere. Die Hostessen langweilen sich unendlich.

Auch in den Messehallen wurde ich überrascht – viel brachliegende Messefläche, viel Leerstand auf den Ständen, nur wenige Besucher, kein Gedränge, kein Chaos – aber auch kaum Interessenten, keine Staus an den Restaurants – auch die Preise schienen ziviler, keine oder kaum Besucher auf den Vorträgen, viele alte Produkte, so gut wie keine Neuerungen, viel lange Weile, auch weniger hübsche Hostessen, an den meisten Ständen langweilte sich das Personal. Sogar einige der größeren Restaurants waren geschlossen!

All dies lag auch nicht an der Zeit, denn erstens war ich nicht zu früh da und zweitens bin ich auch nicht zu früh gegangen….

Auch die “GREEN IT” Halle war ein vollständiges Desaster – kaum Inhalte bzw, Stände, absoluter Leerstand. Hier beweist sich, daß der green – Trend nur ein absolutes “Feigenblatt” ist.

Unnötig zu sagen, daß die Unternehmen und Produkte, die mich interessierten bzw. wegen der ich zur Cebit fuhr, nicht anwesend waren…

Völlig untypisch – sollte sich auch hier die Wirtschaftskrise eingeschlichen haben?

Für mich ist klar: Zu dieser Messe fahre ich nicht mehr…

Sollte ich in den nächsten Jahren doch noch einmal in die “Versuchung” geraten, wage ich die Prognose: “Die Cebit ist nicht mehr…”

Wetterknopf

Tja, ich sitze hier am Schreibtisch, meine Laune, Motivation, mein emotionaler Zustand und auch meine Konzentration lassen irgendwie zu “WÜNSCHEN” übrig…

Nun könnte der Sommer – oder zumindest der Frühling mal kommen. Dieser ewige Zustand von GRAU und GRAUEN außerhalb meines Büros ist wirklich ermüdent. Bei mir kommt die Sehnsucht nach etwas Sonne und einer erträglichen Temperatur nun extrem hoch…

Ich brauche Kontrast zu der ewigen Einheitsfarbe meiner Bürowände…

Auch wenn ich durch die tristen Gänge der Universität wandele, mich gelangweilt an die Kaffeeautomaten lehne – den oft ermüdenden Diskussionen in den Fachausschüssen lausche (ja, diese sind im Winter besonders zähflüssig) und mich dann der Quahl überdrüssig dort in mein Büro verabschiede – irgendwie fehlt mir gerade immer die Farbe.

Wenn man Sie wie in diesem Bild findet, fragt man sich plötzlich, welcher Knopf denn hier für das Wetter zuständig sein könnte.

Hoffentlich wird es bald besser – der Wetterbericht zur Zeit gibt mir aber irgendwie keine große Hoffnung…

Ich glaube Winterdepressionen sind etwas “Tolles” – Norwegen im Winter währe nicht mein Fall…

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Bordieus Theorie über den Geschmack

In Zeiten sehr viel größer werdender Diskrepanzen, zwischen den real verfügbaren Einkommen und den damit verbundenen Differenzierungen im Kapital- wie im Sozialraum, wollen wir einmal nachfragen, was ein doch sehr bekannter Vertreter der zu dieser sich immer mehr abgrenzenden bzw. verfestigenden Kapitalschichtung behauptet. Hier wird der Kapitalbegriff zwar in der Tradition Karl Marx gewohnt, etwas abgewandelt, verwendet.

Bordieu

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu unternimmt in seinem Werk „Die feinen Unterschiede“ den Versuch, die Struktur der modernen Klassengesellschaft am Beispiel Frankreichs über gesellschaftlich tief verankerte Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata zu erklären, die er in einer „verleugneten Erfahrung eines gesellschaftlichen Verhältnisses der Zugehörigkeit und der Ausschließung“ gegründet sieht. Er entwickelt eine Theorie, nach der Geschmack ein quasi Natur gewordenes gesellschaftliches Verhältnis ist, das über Symbole der Festigung und Reproduktion von Herrschaftsstrukturen dient

Gesellschaft als sozialer Raum

Bourdieu konstruiert ein theoretisches Modell der Gesellschaft in Form eines „Sozialraumes“, in dem die gesellschaftliche Stellung von Individuen anhand ihrer Ausstattung mit Kapitalverortet werden kann. Unter Kapital wird dabei zweierlei verstanden: zum einen ökonomisches Kapital, zum anderen aber auch kulturelles Kapital. Der Sozialraum wird folgerichtig zweidimensional angelegt, wobei die erste Dimension das gesamte Kapitalvolumen, die zweite die Kapitalstruktur erfaßt – also das Verhältnis von ökonomischem und kulturellem Kapital zueinander.

Mit Hilfe relativ breit angelegter empirischer Befragungen über Einkommensverhältnisse, Schuldbildung, Berufsqualifikation, soziale Herkunft u.ä. werden Kapitalausstattungen gemessen und gesellschaftliche Stellungen im theoretischen sozialen Raum konkretisiert.
Es erfolgt dann eine Bündelung einzelner sozialer Positionen zu Gesellschaftsklassen: Entsprechend ihres Kapitalvolumens bilden die herrschende Klasse, die Mittelklasse und die Volksklasse dabei die Hauptunterteilung.
Bis hierhin folgt Bourdieu weitgehend der auf Marx zurückgehenden objektivistischen klassentheoretischen Tradition.
Darüber hinaus wird jedoch eine weitere Komponente in die Untersuchung eingeführt, die den auf Max Weber zurückgehenden subjektivistischen schichtungstheoretischen Ansatz aufgreift: Die Analyse von Lebensstilen. (Bourdieus Modell wurde u.a. deswegen gelobt, weil es den in den Sozialwissenschaften sonst üblichen Dualismus von Objektivismus und Subjektivismus durch Integration in denselben Analyserahmen aufhebt.) Empirisch untersucht Bourdieu ästhetische Wertschätzungen und Präferenzen der von ihm befragten Individuen – welche Nahrungsmittel, Musik, Literatur, Malerei, Sportarten, Wohnverhält-nisse, Automobile u.ä. sie bevorzugen.

Die Auswertung ergibt eine gewisse Korrespondenz zwischen subjektiven Werten im Lebensstil und objektiver sozialer Position, wenn auch keine zwingend kausalen Beziehungen. Generell wird jedoch deutlich, daß es so etwas wie klassenspezifischen Geschmack zu geben scheint.
Wie ist das möglich ?

Der Habitus und die Theorie über den Geschmack

Theoretisch begründet Bourdieu seine Entdeckung klassenspezifischer Geschmacksmuster mit dem, was er Habitus nennt. Zu einer bestimmten gesellschaftlichen Stellung gehöre (in den Augen der Gesellschaft) ein bestimmtes “Gehabe”. Gegenstände und Praktiken seien aufgrund ihrer potentiellen Verteilung auf ihrerseits klassifizierte Gruppen selber klassifiziert, weswegen es sich für den einzelnen nicht sonderlich schicke, jene Gegenstände und Praktiken zu bevorzugen, die für ihn nicht standesgemäß sind.
Mit anderen Worten: Der Habitus zwingt den Lebensstil zur sklavischen Ordnung unter das, was mit der eigenen sozialen Position für vereinbar gehalten wird; er läßt bestimmte Geschmacksmuster als notwendig erscheinen. Man fühlt sich genötigt zu zeigen, was man zu sein scheint.Geschmack ist für Bourdieu also nichts Individuelles, sondern ein „Natur gewordenes gesellschaftliches Verhältnis“; ein Vermögen, kraft Distinktion Unterschiede herzustellen und zu bezeichnen; die eigene Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse symbolisch zu unterlegen und dadurch insbesondere eine ersichtliche Abgrenzung von anderen Klassen zu erreichen.Analog zur Hauptunterteilung der Gesellschaftsklassen nimmt Bourdieu nun eine Abgrenzung der im Habitus angelegten geschmacklichen Grunddispositionen vor, die er den Klassen wie folgt zuteilt:

-in der herrschenden Klasse fände sich der „legitime“ Geschmack,

- in der Mittelklasse der „prätentiöse“ Geschmack,

- in der Volksklasse der „vulgäre“ (bzw. „illegitime“) Geschmack.

Als legitim gilt grundsätzlich, was auf breiter Front als legitim anerkannt ist. Legitimation wird über solche Meinungsführer (Schulen, Universitäten, Medien, Autoritäten) geliefert, die ihrerseits zur Abgabe von Legitimationsurteilen legitimiert erscheinen. Wer daran glaubt, daß ein derartiger Legitimationsprozeß legitim ist – und das tut jedenfalls jeder, der sich sein Verhalten vom Habitus diktieren läßt – , der weiß recht genau, welche wahrscheinliche Bedeutung und soziale Geltung bestimmte Praktiken und Güter in den Augen derjenigen ausdrücken, die ebenfalls daran glauben:
Er hat nicht nur eine konkrete Vorstellung davon, was gesellschaftlich generell legitimer Geschmack ist, sondern auch davon, was für ein Individuum in seiner sozialen Stellung legitimer Geschmack ist. Dies lenkt ihn auf die „passenden“ Güter und Aktivitäten.

Nun ist es aber so, daß die Legitimationsurteile aussprechenden Meinungsführer letztlich immer der herrschenden Klasse entstammen. Bourdieu unterstellt sicherlich nicht zu unrecht, daß die Herrschenden gerne weiter herrschen möchten; und dies kann nur gelingen, wenn sie bei sich selber und bei den Beherrschten ständig den Glauben an ihre Überlegenheit reproduzieren, damit ihre Machtposition natürlich erscheint. Es bietet sich dabei förmlich an, geschmackliche Legitimationsurteile für Dinge durchzusetzen, deren Gebrauch zwingend eine gewisse Mindestausstattung mit ökonomischen und/oder kulturellen Kapital erfordert, so daß jene, die diese Ausstattung nicht haben, vom Gebrauch dieser Dinge von vornherein ausgeschlossen und somit in der gehörigen Distanz des Unterlegenen gehalten sind.
So ist es auch in erster Linie der Distinktionswert, der nach Bourdieu bei der geschmacklichen Beurteilung auf legitim oder illegitim im Gegenstand gesucht wird. Ein populärer Gegenstand kann gewissermaßen per Definition ein so angelegtes Geschmacksurteil nicht erfolgreich bestehen, da er keine hinreichende Abgrenzung von der Masse erlaubt.
Eine andere Form des Sinns für Distinktion sei der Ekel vor dem Gewöhnlichen, vor der „Vulgarität“. Bourdieu weist mit allem Nachdruck darauf hin, daß Attribute wie „distinguiert“, „feinsinnig“, „anspruchsvoll“, „tiefgründig“, „gebildet“ oder „edel“ stets die Existenz ihrer Gegensätze „gewöhnlich“, „plump“, „anspruchslos“, „oberflächlich“, „ungebildet“ und „billig“ implizieren. Man kann sagen: Das Höhere erklärt sich durch das Niedere, und daß das Höhere über das Niedere herrscht, erscheint natürlich.

Wenn also klassische Lehrer der Ästhetik wie beispielsweise  Kant den „reinen Geschmack“ propagieren, distanzieren sie sich implizit vom „unreinen Geschmack“. Bourdieu stellt diese Abgrenzung in denselben Ordnungszusammenhang wie die anderen genannten Attribute und leitet daraus die gewagte These ab, daß es auch den Vertretern der klassischen bürgerlichen Intelligenzschicht letztlich vornehmlich darum ging, ihren Unterschied zu den niederen Klassen zu markieren und in sehr sublimierter Form ihren Herrschaftsanspruch über diese zu legitimieren.
Bourdieu meint die Wahrheit über den Geschmack aufgedeckt zu haben; eine Wahrheit, die er bei den klassischen Lehrern des Geschmacks verleugnet sieht. Der Untertitel seines Werkes, unverkennbar an Kant gerichtet, bezeichnet insofern das Korrektiv für den Königsberger, der seinerseits exemplarisch für alle Lehrer seiner Zunft steht.


Was meinen Sie, läßt sich ein solches Modell verwenden?

Wie beurteilen Sie die Position Bordieus?




Turbulente bzw. unsichere Umwelt und Theorie

Wenn wir uns die Prognosen ansehen, die momentan von einschlägigen Stellen allseits auf uns einprasseln, können wir auch überlegen, welche Vorstellungen (systemische Sicht), bezüglich Organisation und Umwelt hilfreich sein könnten.

Kann man mit Hilfe einiger Basiskonzepte ein Handlungsmuster ableiten bzw. eine Vorhersage treffen, wie die strukturelle Reaktion von Organisationen (bzw. von Unternehmen), auf die doch zunehmend instabilere Wirtschaftslage sein wird?

Mein Vorschlag der Betrachtung wäre folgender:

Sehen wir uns einmal die Konzepte von Burns/Stalker (ad 1961) – die von mechanischer oder organischer Umwelt sprechen – wie auch das etwas komplexere Konzept von Lawrence/Lorsch – die von keiner einheitlichen Umwelt, sondern von Subumwelten ausgehen, an.

Das Postulat bei Burns/Stalker könnte dabei wie folgt lauten:

Da die Umwelt zunehmend turbulenter wird, muß eine Organisation mit einem organischen Managementsystem reagieren (vgl. dazu die Unterscheidungskriterien einer stabilen vs turbulenten Umwelt gemäß Burns/Stalker).

Frage: Läßt sich diese These halten? Was meinen Sie?

Hinsichtlich des Modells von Lawrence/Lorsch (ad 1967) ist die Sachlage etwas differenzierter zu betrachten.

Diese Authoren behaupten, daß eine Organisation komplexer sei und aus meheren Subsysthemen besteht, denen jeweils eine eigene Subumwelt gegenüber steht. Unterschieden wird in Marketing vs Umweltsegment Markt, Fertigung vs Umweltsegment technologisch – ökonomischer Bereich und in Forschung + Entwicklung vs Wissenschaft. Zunächst werden hier die einzelnen Subsysteme und Subsystem Umwelten verglichen. Hier wird jeweils nach dem Grad der Unsichertheit bzw. Sicherheit gefragt (Bestimmtheit der Informationen, Gewißheit bezüglich kausaler Beziehungen und nach der Zeit in der Rückmeldungen aus der Umwelt erfolgen).  Heraus kommt ebenfalls eine Burns/Stalker vergleichbare Gewichtung für das einzelne Subsystem. Die Subsystem werden nun hinsichtlich ihrer Unterschiedlichkeit bzw. Ähnlichkeit verglichen. Man erhält dann die Aussage über eine homogene oder heterogene Gesamtumwelt. L&L gehen nun davon aus, daß sich die jeweiligen Subsysteme entsprechend ihrer Umwelt organisieren bzw. differenzieren. Um die Unterschiedlichkeit der einzelnen Subsysteme besser beurteilen zu können werden Formalisiertheit der Struktur, die interpersonellen Orientierungen, die Zeit- und Zielorientierung herangezogen.

Dabei gilt: Je unsicherer ein Umweltsektor ist, desto höher wird der Formalisierungsgrad, bei mittlerer Unsicherheit werden – eher interpersonelle Orientierungen vorherrschen, je unsicherer ein Subsystem – desto langfristiger die Zeitorientierung. Auch richtensich die Mitglieder eines Subsystems primär an dessen Zielen aus.

Nun gilt die Organisaton ist umso differenzierter, je differenzierter die Subsysteme zueinander sind.

Zentrale Thesen sind: Je heterogener die Gesamtumwelt desto differenzierter ist das System. Hier ergibt sich dann aber logisch und zwangsläufig das Problem der Integration. Um einen dauerhaften Bestand der Organisation zu gewährleisten, muß es das System Organisation nun schaffen, diese durch die Unterschiedlichkeit der Subsysteme hervorgerufenen, Differenzierungen und Separationstendenzen – wieder zu integrieren.  Klassische Instumente sind dabei Hierarchi und Programme, ergänzt um weitere Instrumente, wie etwa Koordinatoren, Matrix-Organisation oder auch Projektteams.

Eine zu erörternde Frage könnte also auch hier sein: Was postulieren Sie unter Betrachtung der aktuellen Umweltsituation und unter Nutzung des Modells von Lawrence und Lorsch für die Gestaltung einer Organisation. Begründen Sie dies anhand des Modells und zeigen Sie vermeitliche Schwierigkeiten und Probleme auf!

Nun viel Spaß bei den Überlegungen.

P.S. : Als Basisliteratur sei auch hier auf Steinmann und Schreyögg verwiesen (vgl. vorhergehenden Artikel)!

Systemtheorie und Theorie Politischer Prozesse (Spieltheorie)

Lieber Leser!

Da ich ja nun gewissermaßen beruflich auch ein Freund des wissenschaftlichen Diskurses bin und daher zumindest auch einige Freude an einer besseren theoretischen Durchdringung unserer Welt habe, könnten wir diesen Blog ja nun auch einmal für etwas ernsthaftere Diskussionen nutzen.

Anzumerken ist hier natürlich, daß der Fokus auf dem Blickwinkel des “Betriebswirtschaftlers” liegen soll.

Zunächst könnten wir, ob der sich andeutenden prekärer werdenden Wirtschaftlage, ja einmal die Systemtheorie heranziehen. Dies dergestalt, daß wir sagen können, daß die Konstruktion eines Systems ja auch immer gleichbedeutend mit einem Gegenentwurf ist – also dem, was ausgeblendet außerhalb des Systemes liegt (also auch wieder ein – eben ausgeblendetes – System).

Folgen wir der Vorstellung, daß ein Unternehemen, eine Organisation oder auch ein soziales System sich durch Grenzziehung zur Umwelt und Komplexitätsreduktion im Inneren manifestiert, dann haben wir die hier die Basis um eine Diskussion führen zu könnten. Denn gerade in der Zeit, der manifestierten Finanzkriese (die natürlich aus meiner Sicht klare Gründe hat)  gewinnt man ja eher den Eindruck, daß die bestehenden Finanzsysteme, welche ja gerade in die Krise führten, eher einem Gegenentwurf der erhöhten Komplexität und Unüberschaubarkeit (für die “Masse” nicht für den konstruktionsleitenden “Einzelnen”) folgen.

Dies zu diskutieren wäre vermeintlich doch ein sehr spannendes Thema.

Daran grandios anschließen ließe sich natürlich die “Theorie Politischer Prozesse” (bzw. Spieltheorie). Hier wäre der leitende Gedanke der, daß ein Spiel immer ein Gewinnziel für die einzelnen Spieler hat. Die Spieler spielen natürlich alle gegeneinander und trachten danach, Ihr Spielziel auch gegen die Ziele und Einflußversuche der anderen Spieler durchzusetzen. Natürlich kann hierbei ein Ziel auch in der Profitmaximierung (womit ich Profit hier allerdings nicht nur finanziell verstanden wissen möchte) innerhalb eines Finanzsystems liegen.

Denn: Auch in der vermeintlichen Finanzkrise gibt es Gewinner (wobei auch hier die Gewinnziele wie schon gesagt, nicht automatisch nur Profitmaximierungsziele sein müssen) .

Daher wäre diese kreative Anwendung der beiden Theorierichtungen, auf die aktuelle Wirtschaftslage, vermutlich doch mit einem höheren und vor allem fruchtbaren Erkenntnisgewinn verbunden.

Fruchtbar zum Verständnis der Grundgedanken der Systemtheorie, der Theorie Politischer Prozesse und auch der verschidensten Machttheorien, empfehle ich (ohne werbenden Hintergedanken) Steinmann/Schreyögg: Management und Scheryögg: Organisation als Basisliteratur.

Noch einmal zur Erinnerung der Theorie “Politischer Prozesse”:

Politische Prozesse haben ihren Ursprung in divergierenden Interessen und dem Kampf um knappe Ressourcen. Theorien politischer Prozesse thematisieren Interessenbildung und -durchsetzung, Koalitionen, Konflikte, Strategien, Taktiken usw. Alles dies geschieht i. d. R. unsichtbar, hinter den Kulissen. Eine Beschäftigung mit diesen Prozessen ist jedoch notwendig, egal ob sie pos. oder neg. wirken, um ggf. intervenieren zu können. Hintergrundmotive für pol. Prozesse sind z. B.: Karrieremotive, Machtmotive, Angst vor Gesichtsverlust, Förderung eigener Ideen usw. -> Zur Analyse pol. Prozeß sind 3 Konzepte bedeutsam, nämlich Interessen, Konflikt und Macht (nach Morgan 1986). Gemeint ist Macht i. S. von inoffizieller Macht, d. h. nicht bürokratisch legitimiert. Wesentliche Voraussetzung dafür, daß Entscheidungen politisch werden, ist die Ungewißheit über den Ausgang der Entscheidungsprozesse. Die Beteiligten sehen eine gewisse Chance ihre Ansprüche (jedenfalls teilweise) durchzusetzen.  Dieses Konzept schiebt die formale Entscheidungsfindung zur Seite. Der pol. Prozeß stellt also eine subversive Dynamik jenseits formeller Bestimmungen dar. Man spricht auch von „Spielen” (nicht i S. von „unernst”), da pol. Prozesse Akteure voraussetzen, und sich an mehr oder weniger definierte Regeln halten, welche aber nur den Rahmen bilden.  Insgesamt gilt: Je größer die Spielräume in einer Organisation, um so politischer werden die Entscheidungsprozesse. Besonders den horizontalen Machtbeziehungen zwischen Subsystemen kommt eine Schlüsselrolle zu. Ein weiterer Aspekt pol. Prozesse ist die Legitimität. Die Spieler versuchen, durch Konstruktion von Symbolen und Interpretation von allgemeinen Werten die eigenen Anliegen mit Legitimität zu versorgen und die Anliegen der Opponenten zu „delegitimieren”. Sehr wichtig ist hier, wie das vorgetragene Anliegen von den anderen wahrgenommen wird (Pettigrew 1977 spricht von „the management of meaning”). Laut Allison 1971 sind dabei zentrale Fragen: 1) Wer sind die Teilnehmer, 2) Was sind die Bestimmungsgründe der vertretenen Interessen, 3) Welche Spieler oder Gruppen bestimmen das Ergebnis, Wie läuft das Spiel ab? Allison (1971) Erweiterte den Blickwinkel, indem er von dem Vorhandensein von  Häuptlingen als die „Machtelite” und einfachen Kriegern, die sich das Vertrauen und die Unterstützung der Elite erkämpfen müssen, spricht.

Wenn ich bzw. wir hier den politischen Prozeß betrachten – und – von Durchsetzung sprechen, müssen wir natürlich auch den Machaspekt betrachten. Dabei dürfen ebensowenig die Quellen demacht bzw. die Machtgrundlagen außer acht gelssen werden.

Daher ebenfalls noch einmal zur Erinnerung (entnommen aus Lehrveranstaltung):

m1

m2

m3

Nun würde es also in einer Diskussion gelten, Systemtheorie und Spieltheorie (pol. Prozesse), auf die aktuelle Wirtschaftslage anzuwenden und zu untersuchen.
Ich würde dies, wie schon einleitend erklärt, für eine spannende Diskussion halten!
Natürlich lassen sich bei diesem Themenkomplex auch wunderbar Anschlüsse zur Theorie der Pfadabhängigkeit und den Theorien zum Wiederstand gegen Änderungen etc. heststellen. Auch diesbezügliche Beiträge seine auf das Herzlichste willkommen!
Mit besten Grüßen an alle Interessenten!

Hallo Welt!

Willkommen! Dies ist der erste Artikel, einfach ändern oder löschen und schon kann es mit dem bloggen losgehen …

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