Lieber Leser!

Da ich ja nun gewissermaßen beruflich auch ein Freund des wissenschaftlichen Diskurses bin und daher zumindest auch einige Freude an einer besseren theoretischen Durchdringung unserer Welt habe, könnten wir diesen Blog ja nun auch einmal für etwas ernsthaftere Diskussionen nutzen.

Anzumerken ist hier natürlich, daß der Fokus auf dem Blickwinkel des “Betriebswirtschaftlers” liegen soll.

Zunächst könnten wir, ob der sich andeutenden prekärer werdenden Wirtschaftlage, ja einmal die Systemtheorie heranziehen. Dies dergestalt, daß wir sagen können, daß die Konstruktion eines Systems ja auch immer gleichbedeutend mit einem Gegenentwurf ist – also dem, was ausgeblendet außerhalb des Systemes liegt (also auch wieder ein – eben ausgeblendetes – System).

Folgen wir der Vorstellung, daß ein Unternehemen, eine Organisation oder auch ein soziales System sich durch Grenzziehung zur Umwelt und Komplexitätsreduktion im Inneren manifestiert, dann haben wir die hier die Basis um eine Diskussion führen zu könnten. Denn gerade in der Zeit, der manifestierten Finanzkriese (die natürlich aus meiner Sicht klare Gründe hat)  gewinnt man ja eher den Eindruck, daß die bestehenden Finanzsysteme, welche ja gerade in die Krise führten, eher einem Gegenentwurf der erhöhten Komplexität und Unüberschaubarkeit (für die “Masse” nicht für den konstruktionsleitenden “Einzelnen”) folgen.

Dies zu diskutieren wäre vermeintlich doch ein sehr spannendes Thema.

Daran grandios anschließen ließe sich natürlich die “Theorie Politischer Prozesse” (bzw. Spieltheorie). Hier wäre der leitende Gedanke der, daß ein Spiel immer ein Gewinnziel für die einzelnen Spieler hat. Die Spieler spielen natürlich alle gegeneinander und trachten danach, Ihr Spielziel auch gegen die Ziele und Einflußversuche der anderen Spieler durchzusetzen. Natürlich kann hierbei ein Ziel auch in der Profitmaximierung (womit ich Profit hier allerdings nicht nur finanziell verstanden wissen möchte) innerhalb eines Finanzsystems liegen.

Denn: Auch in der vermeintlichen Finanzkrise gibt es Gewinner (wobei auch hier die Gewinnziele wie schon gesagt, nicht automatisch nur Profitmaximierungsziele sein müssen) .

Daher wäre diese kreative Anwendung der beiden Theorierichtungen, auf die aktuelle Wirtschaftslage, vermutlich doch mit einem höheren und vor allem fruchtbaren Erkenntnisgewinn verbunden.

Fruchtbar zum Verständnis der Grundgedanken der Systemtheorie, der Theorie Politischer Prozesse und auch der verschidensten Machttheorien, empfehle ich (ohne werbenden Hintergedanken) Steinmann/Schreyögg: Management und Scheryögg: Organisation als Basisliteratur.

Noch einmal zur Erinnerung der Theorie “Politischer Prozesse”:

Politische Prozesse haben ihren Ursprung in divergierenden Interessen und dem Kampf um knappe Ressourcen. Theorien politischer Prozesse thematisieren Interessenbildung und -durchsetzung, Koalitionen, Konflikte, Strategien, Taktiken usw. Alles dies geschieht i. d. R. unsichtbar, hinter den Kulissen. Eine Beschäftigung mit diesen Prozessen ist jedoch notwendig, egal ob sie pos. oder neg. wirken, um ggf. intervenieren zu können. Hintergrundmotive für pol. Prozesse sind z. B.: Karrieremotive, Machtmotive, Angst vor Gesichtsverlust, Förderung eigener Ideen usw. -> Zur Analyse pol. Prozeß sind 3 Konzepte bedeutsam, nämlich Interessen, Konflikt und Macht (nach Morgan 1986). Gemeint ist Macht i. S. von inoffizieller Macht, d. h. nicht bürokratisch legitimiert. Wesentliche Voraussetzung dafür, daß Entscheidungen politisch werden, ist die Ungewißheit über den Ausgang der Entscheidungsprozesse. Die Beteiligten sehen eine gewisse Chance ihre Ansprüche (jedenfalls teilweise) durchzusetzen.  Dieses Konzept schiebt die formale Entscheidungsfindung zur Seite. Der pol. Prozeß stellt also eine subversive Dynamik jenseits formeller Bestimmungen dar. Man spricht auch von „Spielen” (nicht i S. von „unernst”), da pol. Prozesse Akteure voraussetzen, und sich an mehr oder weniger definierte Regeln halten, welche aber nur den Rahmen bilden.  Insgesamt gilt: Je größer die Spielräume in einer Organisation, um so politischer werden die Entscheidungsprozesse. Besonders den horizontalen Machtbeziehungen zwischen Subsystemen kommt eine Schlüsselrolle zu. Ein weiterer Aspekt pol. Prozesse ist die Legitimität. Die Spieler versuchen, durch Konstruktion von Symbolen und Interpretation von allgemeinen Werten die eigenen Anliegen mit Legitimität zu versorgen und die Anliegen der Opponenten zu „delegitimieren”. Sehr wichtig ist hier, wie das vorgetragene Anliegen von den anderen wahrgenommen wird (Pettigrew 1977 spricht von „the management of meaning”). Laut Allison 1971 sind dabei zentrale Fragen: 1) Wer sind die Teilnehmer, 2) Was sind die Bestimmungsgründe der vertretenen Interessen, 3) Welche Spieler oder Gruppen bestimmen das Ergebnis, Wie läuft das Spiel ab? Allison (1971) Erweiterte den Blickwinkel, indem er von dem Vorhandensein von  Häuptlingen als die „Machtelite” und einfachen Kriegern, die sich das Vertrauen und die Unterstützung der Elite erkämpfen müssen, spricht.

Wenn ich bzw. wir hier den politischen Prozeß betrachten – und – von Durchsetzung sprechen, müssen wir natürlich auch den Machaspekt betrachten. Dabei dürfen ebensowenig die Quellen demacht bzw. die Machtgrundlagen außer acht gelssen werden.

Daher ebenfalls noch einmal zur Erinnerung (entnommen aus Lehrveranstaltung):

m1

m2

m3

Nun würde es also in einer Diskussion gelten, Systemtheorie und Spieltheorie (pol. Prozesse), auf die aktuelle Wirtschaftslage anzuwenden und zu untersuchen.
Ich würde dies, wie schon einleitend erklärt, für eine spannende Diskussion halten!
Natürlich lassen sich bei diesem Themenkomplex auch wunderbar Anschlüsse zur Theorie der Pfadabhängigkeit und den Theorien zum Wiederstand gegen Änderungen etc. heststellen. Auch diesbezügliche Beiträge seine auf das Herzlichste willkommen!
Mit besten Grüßen an alle Interessenten!