Wenn wir uns die Prognosen ansehen, die momentan von einschlägigen Stellen allseits auf uns einprasseln, können wir auch überlegen, welche Vorstellungen (systemische Sicht), bezüglich Organisation und Umwelt hilfreich sein könnten.

Kann man mit Hilfe einiger Basiskonzepte ein Handlungsmuster ableiten bzw. eine Vorhersage treffen, wie die strukturelle Reaktion von Organisationen (bzw. von Unternehmen), auf die doch zunehmend instabilere Wirtschaftslage sein wird?

Mein Vorschlag der Betrachtung wäre folgender:

Sehen wir uns einmal die Konzepte von Burns/Stalker (ad 1961) – die von mechanischer oder organischer Umwelt sprechen – wie auch das etwas komplexere Konzept von Lawrence/Lorsch – die von keiner einheitlichen Umwelt, sondern von Subumwelten ausgehen, an.

Das Postulat bei Burns/Stalker könnte dabei wie folgt lauten:

Da die Umwelt zunehmend turbulenter wird, muß eine Organisation mit einem organischen Managementsystem reagieren (vgl. dazu die Unterscheidungskriterien einer stabilen vs turbulenten Umwelt gemäß Burns/Stalker).

Frage: Läßt sich diese These halten? Was meinen Sie?

Hinsichtlich des Modells von Lawrence/Lorsch (ad 1967) ist die Sachlage etwas differenzierter zu betrachten.

Diese Authoren behaupten, daß eine Organisation komplexer sei und aus meheren Subsysthemen besteht, denen jeweils eine eigene Subumwelt gegenüber steht. Unterschieden wird in Marketing vs Umweltsegment Markt, Fertigung vs Umweltsegment technologisch – ökonomischer Bereich und in Forschung + Entwicklung vs Wissenschaft. Zunächst werden hier die einzelnen Subsysteme und Subsystem Umwelten verglichen. Hier wird jeweils nach dem Grad der Unsichertheit bzw. Sicherheit gefragt (Bestimmtheit der Informationen, Gewißheit bezüglich kausaler Beziehungen und nach der Zeit in der Rückmeldungen aus der Umwelt erfolgen).  Heraus kommt ebenfalls eine Burns/Stalker vergleichbare Gewichtung für das einzelne Subsystem. Die Subsystem werden nun hinsichtlich ihrer Unterschiedlichkeit bzw. Ähnlichkeit verglichen. Man erhält dann die Aussage über eine homogene oder heterogene Gesamtumwelt. L&L gehen nun davon aus, daß sich die jeweiligen Subsysteme entsprechend ihrer Umwelt organisieren bzw. differenzieren. Um die Unterschiedlichkeit der einzelnen Subsysteme besser beurteilen zu können werden Formalisiertheit der Struktur, die interpersonellen Orientierungen, die Zeit- und Zielorientierung herangezogen.

Dabei gilt: Je unsicherer ein Umweltsektor ist, desto höher wird der Formalisierungsgrad, bei mittlerer Unsicherheit werden – eher interpersonelle Orientierungen vorherrschen, je unsicherer ein Subsystem – desto langfristiger die Zeitorientierung. Auch richtensich die Mitglieder eines Subsystems primär an dessen Zielen aus.

Nun gilt die Organisaton ist umso differenzierter, je differenzierter die Subsysteme zueinander sind.

Zentrale Thesen sind: Je heterogener die Gesamtumwelt desto differenzierter ist das System. Hier ergibt sich dann aber logisch und zwangsläufig das Problem der Integration. Um einen dauerhaften Bestand der Organisation zu gewährleisten, muß es das System Organisation nun schaffen, diese durch die Unterschiedlichkeit der Subsysteme hervorgerufenen, Differenzierungen und Separationstendenzen – wieder zu integrieren.  Klassische Instumente sind dabei Hierarchi und Programme, ergänzt um weitere Instrumente, wie etwa Koordinatoren, Matrix-Organisation oder auch Projektteams.

Eine zu erörternde Frage könnte also auch hier sein: Was postulieren Sie unter Betrachtung der aktuellen Umweltsituation und unter Nutzung des Modells von Lawrence und Lorsch für die Gestaltung einer Organisation. Begründen Sie dies anhand des Modells und zeigen Sie vermeitliche Schwierigkeiten und Probleme auf!

Nun viel Spaß bei den Überlegungen.

P.S. : Als Basisliteratur sei auch hier auf Steinmann und Schreyögg verwiesen (vgl. vorhergehenden Artikel)!