Gutes Praxis-Beispiel im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im April 2014 hat die Synode der EKBO (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) ein Umweltkonzept mit zahlreichen Handlungsempfehlungen für Gemeinden, Einrichtungen, Landeskirche und Verwaltung gebilligt. Darin wird die im Sommer 2013 angebotene Fortbildung “Die Ethik des Genug” als gutes Praxis-Beispiel in den Handlungsempfehlungen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) aufgeführt (S. 72/73).

Ermutigung, die Nachhaltigkeitsdebatte in die Gemeinden zu tragen

In diesem Blog gibt es Rückblicke sowie Tipps und aktuelle Veranstaltungshinweise für den Folgeprozess zum FEA-Kurs unter dem Titel “Die Ethik des Genug”, der im Juni 2013 im Pastoralkolleg der EKBO in Brandenburg an der Havel zur Nachhaltigkeitsdebatte in der Gemeindearbeit stattfand. Wir danken Brot für die Welt und der Landeskirchlichen Beauftragten für den Kirchlichen Entwicklungsdienst in Berlin-Brandenburg für die freundliche Unterstützung dieses Prozesses.

Anknüpfungspunkte und eine Ermutigung für diesen FEA-Kurs fanden wir in der Rede von Präses Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD von 2003 bis 2013, die jener im Juni 2012 auf der Auswertungstagung der UN-Konferenz Rio+20 gehalten hatte. Darin heißt es:

“Der Erdgipfel im Jahr 1992 sendete seinerzeit ein starkes Signal, sich Zukunftsthemen zuzuwenden. Er vermittelte Aufbruchsstimmung, damit wir uns als Weltgemeinschaft für die gemeinsame Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Er mündete in der Verabschiedung von Grundprinzipien einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik. Leitend waren dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit und das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung. Die Weltgemeinschaft verpflichtete sich, den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen heutiger und künftiger Generationen in gerechter Weise zu entsprechen und gleichermaßen ökonomische, ökologische und soziale Ziele anzustreben. (…)

Nun müssen wir mit Enttäuschung feststellen, dass es der Staatengemeinschaft bei der am Freitag zu Ende gegangenen Weltkonferenz in Rio de Janeiro leider nicht gelungen ist, ein ebenso starkes Signal wie vor 20 Jahren zu senden. Wir vermissen Dynamik, Klarheit und Verbindlichkeit in der Beantwortung der großen Zukunftsfrage, wie die Wirtschaft in den Dienst des Menschen und in Einklang mit den natürlichen Rahmenbedingungen einer endlichen Welt gebracht werden kann.

Wir vermissen konkrete Antworten auf die Frage, wie ein umweltschonenderes Wirtschaften im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung umgesetzt werden kann. Wir vermissen die Einigung auf politische Leitplanken, die darauf gerichtet sind, dass bei der Abstimmung unterschiedlicher und oft konkurrierender Zielvorstellungen dafür Sorge getragen wird, die Grundbedürfnisse aller Menschen dieser und der kommenden Generationen zu erfüllen.(…)

Wir stellen mit großer Sorge fest: Die Mehrzahl der Staaten hat nicht den politischen Willen aufgebracht, endlich zu beschließen, was beschlossen werden muss, um die Rio-Prinzipien in Handeln umzusetzen. So spiegelt das Gipfelergebnis einen Minimalkonsens wieder. Es zeichnet die Welt von heute, nicht aber die Welt, die wir morgen brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben. Insbesondere wurden die Gerechtigkeitsfragen nicht beantwortet.

Rio+20 hat es also nur sehr begrenzt – wenn überhaupt – vermocht, Wegmarke des notwendigen, globalen Transformationsprozesses zu werden, der uns auch für Deutschland Orientierung und Rahmen bietet .

In diesem Scheitern liegt indessen auch eine Chance, gibt sie uns doch Anlass, unsere Aufmerksamkeit verstärkt auch dem Handeln im eigenen Hause zuzuwenden. Rio ist Auftrag und Herausforderung nicht nur für die Politik, sondern für alle von uns, auch für unsere Kirchen. (…)

Wir sehen uns als Christinnen und Christen in der Verpflichtung, das Prinzip der Nachhaltigkeit in gesellschaftlichem Handeln und in unserem persönlichen Lebensstil fest zu verankern. Unsere Verantwortung vor Gott und unsere Verantwortung für die Schöpfung und für unsere Nächsten rufen uns zu einer Umkehr in unserem Denken und Handeln und zur Abkehr von alten Lebensmustern.

Nachdrücklich begrüßen wir die vielen Initiativen in unseren Gemeinden und Einrichtungen, die sich für einen nachhaltigen Lebensstil z. B. in den Bereichen Energie, Mobilität, Ernährung und Konsum einsetzen. Diese Initiativen tragen dazu bei, dass wir als Kirchen glaubwürdiger in unseren Forderungen an die Politik werden.

Die Bibel lehrt Menschen, „Wohlstand“ und „Fülle des Lebens“ nicht ausschließlich und auch nicht in erster Linie materiell zu definieren. Mit einer “Ethik des Genug” wollen Theologie und Kirchen darauf aufmerksam machen. „Gut leben“ heißt nicht einfach „viel haben“, sondern auch „solidarisch leben“ und „mitmenschlich teilen“. (Hervorhebung durch Admin.)

Unser Glaube hilft uns, „gut leben“ und „viel haben“ zu unterscheiden und uns in eine „Ethik des Genug“ und in eine Sensibilität für das dem Menschen zuträgliche Maß einzuüben. Wir sind überzeugt: Ohne einen nachhaltigen Lebensstil werden wir nicht zu der nötigen Transformation zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen können. (…)

Den Rio + 20-Gipfel ernst nehmen heißt für die christlichen Kirchen, die Transformations-Aufgabe mit neuer Dynamik aufzugreifen: Kirche will helfen, die Bedeutung und Dringlichkeit dieser Herausforderungen für Politik und Gesellschaft hervorzuheben; Z.B. durch ihre Kooperation beim „Transformationskongress“, der kürzlich in Berlin stattfand. Kirche will die Politik darin bestärken und ermutigen, dass sie die notwendigen politischen Rahmenbedingungen für einen Kurswechsel zu mehr Nachhaltigkeit schafft.

Auch bei der anstehenden Erarbeitung von nachhaltigen Entwicklungszielen wollen die Kirche und ihre Einrichtungen sich aktiv einbringen. Die Enttäuschung über den UN-Gipfel darf nicht zu einer Abkehr von der internationalen Nachhaltigkeitspolitik führen. Kulturelle Lebensstilveränderungen sind für die Bewahrung der Schöpfung lebens-notwendig. Kulturelle Veränderung brauchen aber immer auch politische Richtungsentscheidungen.

Als Christinnen und Christen sind wir überzeugt: Es gibt immer Alternativen, auch wenn sie oft nur von wenigen gedacht, geträumt, erhofft, erstritten und erarbeitet werden. Menschen können sich und ihre Welt verändern. Gottes Geist kann das Denken und Handeln der Menschen erneuern. Und wir sind überzeugt, dass dieser Geist des Lebens nicht nur in den christlichen Kirchen wirkt. Deshalb wollen wir mit allen zusammenarbeiten, die unterwegs sind zu sozialer Gerechtigkeit, nachhaltiger Wirtschaft und Bewahrung der Schöpfung.”