Alle müssen über Demenz sprechen (Teil 3)

März 20th, 2013 · Keine Kommentare

Wo sind Demenzkranke besser aufgehoben: zu Hause oder im Pflegeheim ?

Ich glaube, diese Frage muss sich jeder selber stellen. Wo würden Sie gerne später aufgehoben sein? Ich habe die sehr romantische Vorstellung, dass ich später mit ein paar Parteien in so einem wunderschönen Bauernhof lebe und wir vielleicht eine Art Demenz-WG aufmachen und wir dort gepflegt werden. Ich halte es für schön, wenn es Familien gibt, die es möglich machen, zu Hause zu pflegen. Aber auch da darf man nicht an seine psychischen und körperlichen Grenzen gehen. Es gibt genügend Hilfe, die man sich in den Pflegealltag holen kann. Aber ich habe auch wunderschöne Pflegeeinrichtungen gesehen. Deshalb halte ich das auch für eine richtig gute Alternative.

Wenn es mehr Wissen über Demenz und mehr Verständnis geben muss, müsste es dann nicht in erster Linie mehr Aufklärung geben ?

Da, Demenz muss in der Gesellschaft ankommen. Es ist ja kein Tabuthema mehr, denn es wird viel darüber geredet. Bloß wird es meistens nur von der Schreckensseite beleuchtet. Natürlich müssen Weichen gestellt werden von der Politik, es muss aber auch bei jedem Einzelnen angefangen werden. Wir selber, wir Gesunden müssen uns jetzt informieren. Es muss im Kindergarten, es muss in der Schule einen Platz haben. Es muss in der Gesellschaft auf Veranstaltungen sichtbar gemacht werden. Da, überall.

Kann es sein, dass Outings wie das von Rudi Assauer, der ja selbst betroffen ist, helfen, das Thema in den gesellschaftlichen Fokus zu stellen ?

Zu Rudi Assauer wurde ich natürlich auch schon gefragt, ob das gut oder schlecht ist und was ich davon halte. Generell funktionieren wir Menschen so: Wir brauchen Vorbilder. Und ich finde es gut, dass Rudi Assauer mit seinem Schicksal nach draußen gegangen ist, sich sichtbar gemacht hat und gesagt hat: ,Es ist eine Krankheit. Ich habe sie. Es ist nicht schön. Aber ich nehme mir nicht das Leben, ich möchte weiterleben.’ Ich glaube, dass das ein gutes Vorbild für Menschen ist, um sich auch sichtbar zu machen. Ich halte das für ganz, ganz wichtig, dass die Menschen nach draußen kommen und sagen: ,Hallo, hier bin ich mit meiner Familie und wir haben ein Problem. Woher kriegen wir die Hilfe?’ Denn keiner hat uns gelehrt, wie man damit umgehen soll. Deshalb:
Es gibt genügend Organisationen da draußen, die uns helfen können, genuc Wissen da draußen. Insofern: Lassen S es uns sichtbar machen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätter auf das Thema Demenz bezogen, welcher wäre das ?

Tja, wenn eine gute Fee vorbeikommt würde, was würde ich mir wünschen? Wahrscheinlich, dass die Menschen n ein bisschen ihr Herz aufmachen und weg von dem Ego rücken hin zu dem was wirklich wichtig ist, und lernen, nr wieder mit dem Herzen zu gucken. D klingt so romantisch, aber ich glaube, ist das einzig Wichtige im Leben: zu ? Gefühlen hinzugucken und zu sehen, macht mich reich innen – nicht was macht mich reich außen. Es ist nicht Bankkonto und es sind nicht das Aut und die Visitenkarte. Ich wünsche mii Wachrütteln der Gesellschaft und da: man sieht, worauf es wirklich ankomi im Leben.

Ein Interview mit Sophie Rosentreter. Geboren 1975 in Hamburg … mit 16 Schulabbruch und Start ihrer Model-Karriere … mit 23 Abitur nachgeholt … mit 24 Moderatorin bei M … mit 26 Intermezzo als Film Schauspielerin … mit 29 Wechsel hinter die Kamera: Fernsehproduktionen unter anderem für stern TV, SAT.I-Frühstücksfernsehen, Brisant, Leute heute … mit 35, ausgelöst durch die Krankheit und den Tod ihrer Oma Ilse, Firmengründung von „Ilses weite Welt GmbH” Produziert heute erfolgreich Filme und andere Hilfsmittel für Angehörige und Betreuer von demenzkranken Menschen.

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