Stottern erkennen

März 24th, 2013 · Keine Kommentare

Kinder beginnen meist in einer entwicklungsintensiven Zeit zwischen zwei und fünf Jahren zu stottern. In diesem Alter muss man es von normalen Sprachunebenheiten wie „Ich will – ich will den Ball” unterscheiden. Stottern dagegen könnte sich äußern als: „l-i-ich will den Ball.” Typisch sind auch Unterbrechungen des Redeflusses in Form von Blockaden („B——Block”), Wiederholungen von Wortteilen („wa-wa-wa-was ist das?”) oder Dehnungen („wwwwarm”). Wenn sich das Kind deutlich anstrengt, um Wörter herauszubekommen, sein Atem stockt, es Wörter oder Laute vermeidet oder sogar Angst vor dem Sprechen zeigt, sind das weitere typische Anzeichen.

Eltern sollten mit ihrem Kind darüber reden und es trösten, wenn es darunter leidet. Grundsätzlich gilt: Blickkontakt halten, Geduld zeigen, nicht ins Wort fallen oder Sätze ergänzen. Es gibt bereits Therapien für Kinder ab zwei Jahren, aber nicht alle Kinder müssen behandelt werden. Manchmal reicht eine logopädische Beratung der Eltern aus: So erhalten sie Informationen, wie sie ihrem Kind flüssiges Sprechen erleichtern können und wie sie Veränderungen erkennen können, die eine Therapie tatsächlich erforderlich machen. Denn die meisten Kinder verlieren das Stottern wieder bis zur Pubertät. Wer behält es ?

„Nur etwa eines von fünf Kindern, die gestottert haben, behält es sein Leben lang”, weiß Prof. Dr. Martin Sommer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stotterer Selbsthilfe (BVSS), selbst Betroffener und im Hauptberuf Neurologe. Leider kann die Medizin noch nicht feststellen, wer das Sprechproblem wieder verliert oder wer zu dem einen Prozent Erwachsenen gehört, die ein Leben lang stottern.

Die Ursache des Stotterns ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist zum Teil genetisch bedingt und geht auf einen Fehler im Sprechzentrum des Gehirns zurück. Das hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Stotterer sind auch nicht besonders nervös, ängstlich oder gehemmt.

Allerdings kann Stottern im Lauf der Entwicklung zu einem psychischen Problem werden. Etwa wenn das Kind versucht, Stottern zu vermeiden und die Anstrengung beim Sprechen wächst.

Erfolgreiche Therapien

Es liegt in der Natur der lebenslangen Sprechbehinderung, dass selbst derjenige als Erwachsener noch den Durchbruch schaffen kann, der schon mehrere Ansätze ausprobiert hat. Eine Befragung durch Wissenschaftler der Universitäten Kassel, Bochum und Göttingen ergab, dass Stotterer die Intensivtherapie “Stottermodifikation” als genauso wirksam empfinden wie die Kasseler Stottertherapie. Dass die Kasseler in 81 Prozent der Fälle die letzte Therapie war, belegt deren Effizienz.

Weil Betroffene ein Leben lang an ihrem Sprechen arbeiten müssen, ist es gut, wenn sie damit nicht allein bleiben.

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