Wie funktionieren Träume (Teil 1)

März 28th, 2013 · Keine Kommentare

Seit Langem versuchen Forscher herauszufinden, warum wir träumen und was dabei genau im Gehirn passiert. Doch noch immer sind nicht alle Rätsel gelöst. Ein Ausflug in unser nächtliches Kopfkino.

Was haben Sie letzte Nacht geträumt? Sie wissen nur noch, dass es sehr verworren war? Dann geht es Ihnen wie den meisten: Träume sind oft bizarr und seltsam. Dennoch oder gerade deswegen versuchen viele einen Sinn in ihnen zu finden.

Sahen frühe Kulturen in Träumen noch göttliche Ratschläge und Vorboten künftiger Ereignisse, vermutete der Psychoanalytiker Sigmund Freud um 1900, dass Träume unbewusste (erotische) Wünsche sind, die wir unterdrücken, wenn wir wach sind. Später geriet die Traumdeutung bei Forschern in Verruf – unter anderem, weil sie einseitig erschien und man wissenschaftliche Begründungen vermisste. Träume galten dann lange Zeit als Zufallsprodukt nächtlicher Himaktivitäten, als sinnloses „Neuronengeflimmer”.

2001 jedoch lieferte eine Studie des US-Neurowissenschaftlers Matthew Wilson einen klaren Hinweis darauf, dass die Wahrheit über Träume so einfach nicht sein kann: Mit Elektroden verkabelte Ratten, die sich im Wachzustand in einem Labyrinth orientieren mussten, zeigten im Schlaf dieselben Hirnaktivitäten wie im Labyrinth – sie liefen im Traum wieder durch ihren „Irrgarten”. Diese Beobachtung – wir träumen vornehmlich von dem, was uns tagsüber beschäftigt hat – ließ sich auch für den Menschen bestätigen.

Was passiert beim Träumen?

Wenn wir träumen, ist unser Gehirn hoch aktiv, ähnlich wie im Wachzustand. Das lässt sich an den Hirnstromkurven erkennen. Früher nahm man an, dass Träume nur in den sogenannten REM-Phasen (REM = rapid eye movement, deutsch: schnelle Augenbewegung) auftreten, die sich mit den Tiefschlafphasen abwechseln. Tatsächlich kommen sie in jeder Schlafphase vor. Nur: Wer aus einer REM-Phase geweckt wird, erinnert sich eher an seinen Traum, als jemand, der aus dem Tiefschlaf aufwacht. Zudem sind die Träume in den REM-Phasen am lebhaftesten.

Auch wenn der Stoff, aus dem die Träume sind, überwiegend aus unserem Alltag stammt – wie sie aufbereitet sind, ist alles andere als alltäglich. „Die Tageserinnerungen werden im Traum kreativ verarbeitet”, erklärt Psychoanalytikerin und Traumforscherin Professor Brigitte Boothe von der Universität Zürich. So kreativ, dass es in Träumen oft recht bizarr zugeht. Das liegt daran, dass das Logikzentrum des Gehirns beim Schlafen abgestellt ist. In dem Teil, der die Gefühle verarbeitet, ist dafür umso mehr los: Angst, Aggression, Freude, Lust -alles, was uns im Wachzustand emotional beschäftigt, wird im Traum um ein Vielfaches verstärkt.

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