Wie funktionieren Träume (Teil 2)

April 1st, 2013 · Keine Kommentare

Warum träumen wir ?

Um es gleich vorwegzunehmen – die offensichtlichste Frage der Traumforschung ist bis heute nicht abschließend beantwortet. Es gibt eine Vielzahl von Theorien, warum der Mensch träumt. Sie haben aber einen gemeinsamen Kerngedanken: Träumen hilft uns, die Wirklichkeit zu bewältigen.

„Im Traum werden Probleme verarbeitet und neu Erlerntes wird geübt und verfestigt”, weiß Brigitte Boothe. So machten Teilnehmer einer Studie, die sich in einem Computerspiel durch ein virtuelles Labyrinth kämpfen mussten, einen großen Leistungssprung gegenüber den übrigen Probanden, wenn sie in Pausen schliefen und von dem Spiel träumten. Am sprichwörtlichen „Lernen im Schlaf” scheint also etwas dran zu sein. Da „Lernträume” allerdings meist im Tiefschlaf stattfinden, erinnert man sich am nächsten Morgen nicht unbedingt an sie.

Einige Forscher halten Träume außerdem für eine Form des kreativen Denkens, die neue Einsichten bringt. Tatsächlich gibt es prominente Beispiele genialer Ideen, die im Traum erschaffen wurden: Paul Mc-Cartney etwa soll die Melodie von „Yesterday” geträumt haben und von Albert Einstein wird berichtet, dass sich seine wichtigste Theorie auf einen Traum begründet habe, in dem er mit Lichtgeschwindigkeit reiste. Aber auch ganz „normale” Menschen profitieren einer Studie zufolge von ihren Träumen – so zogen Schlafende daraus zum Beispiel Anregungen zu Urlaubsreisen oder wurden auf Denkfehler in Diplomarbeiten aufmerksam.
Auch gehen Forscher davon aus, dass Träume eine therapeutische Funktion haben. So hilft Träumen beim Verarbeiten negativer Erlebnisse. Zum Beispiel machen Menschen, die ein traumatisches Erlebnis überstanden haben, dieses Ereignis im Traum oft immer wieder durch – bis sich die Trauminhalte allmählich verändern und der Schrecken überwunden ist. Im Traum geht das, weil während des Schlafs weniger Stresshormone ausgeschüttet werden. Durchlebt man die traumatischen Erfahrungen in diesem weniger aufgewühlten Zustand noch einmal, scheinen sie am nächsten Tag etwas von ihrer Wirkung verloren zu haben.

Wieso haben wir Albträume ?

Viele Forscher glauben, dass wir beim Träumen zudem auf die Krisen und Herausforderungen des Lebens vorbereitet werden – was wir im Traum geschafft haben, bewältigen wir auch in der Realität leichter. So können sich Angstträume, sogenannte Albträume, ganz konkret auf eine bevorstehende Aufgabe wie eine Prüfung oder auf ein ungelöstes Problem beziehen.

„Aber auch unbewusste Schuldgefühle oder Kindheitsängste können ein Auslöser sein”, sagt Psychoanalytikerin Boothe, „vor allem, wenn der Traum immer wieder auftaucht.” Die beste Strategie gegen wiederkehrende Albträume ist es, sich mit dem Traum zu konfrontieren. Ein erprobtes Verfahren ist die relativ leicht zu erlernende „Imagery Rehearsal Therapy” (IRT). Dabei schreiben die Betroffenen das „Drehbuch” ihrer Träume um, indem sie sich im Wachzustand ein neues, gutes Ende vorstellen. Wer beispielsweise Angst hat, verfolgt zu werden, kann sich vorstellen, den Verfolger anzusprechen oder ihn wegzujagen. Diesen positiven Traumausgang stellt man sich dann täglich vor – so oft, bis er sich nach und nach auch im Schlaf verfestigt.

Wie sieht die Zukunft der Forschung aus ?

Aus wissenschaftlicher Sicht sind Träume längst nicht mehr so geheimnisvoll wie einst. Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich mittels Hirnstrommessungen schon „auslesen”, ob ein Schlafender gerade davon träumt, die linke oder die rechte Hand zu ballen. Auch an der Messung komplexerer Inhalte wie bildhaften Traumszenen wird bereits gearbeitet. Manche Forscher glauben sogar, dass man über kurz oder lang die Inhalte eines Traumes wird manipulieren können.
Doch auch wenn Träume immer zugänglicher werden: Ihren Zauber müssen sie für den Einzelnen nicht verlieren. Und ob man nun versucht, sich bewusst mi ihnen auseinanderzusetzen oder darauf verzichtet -es spricht vieles dafür, dass sie ihre positive Wirkung so oder so entfalten. Sogar unabhängig davon, ob man sich an sie erinnert

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