Schwarze Welt und spitze Nadeln

Oktober 28th, 2010 · Keine Kommentare

Versklavung

 

Ein schwarzgekleideter Mann mit Hut steigt auf ein düster angestrahltes Podest. Der Mann muss so beleuchtet werden, dass sein Gesicht zur Hälfte im Schatten verschwindet. Er verliest ein schwarzes Manifest.

 

Mann ( frei und  stark deklamierend ): Ihr hockt auf euren versteinerten Geboten, ihr verleugnet Selbstentwurf und Zeit. Warum sich auf einen Anderen berufen? ICH HABE EINEN EIGENEN KOPF ZUM DENKEN. Ihr haltet einen ewigen Gerichtstag um das Seelenheil. NIEMAND HAT DAS RECHT MICH ZU BESTRAFEN. UND: wisst ihr nicht, dass der Tod die Wahrheit ist und die Wirklichkeit. Wichtig ist der eine Tag, der heilige Tag, der alles ist, was der geworfene Mensch hat, bis am Ende eine endlose Nacht uns ruft, hinein in das Paradies unserer Särge, in denen wir verfaulen und verrotten im Tagwerk der Würmer..DIESEN TAG VERTEUFELT IHR, ihr setzt dafür die Ewigkeit an den Himmel über den Städten der Welt. EUER HERR VERSKLAVT EUCH, DER GLAUBEN EUER JOCH, habt ihr jemals selbst gedacht, mit eigener Stimme, aus eigener Kraft gedacht? WEM GEHÖRT EUER LEIB? Der Himmel ist leer, der Mensch auch. Nehmt eure unsterbliche Seele und steckt sie euch in den Arsch! Der Himmel ist leer wie der Spiegel und aus NICHTS wird NICHTS wird NICHTS.

 

Der Mann steigt langsam, gemessen und ruhig vom Podest. Er  schmeisst seinen Hut in eine Ecke der Bühne. Dann zündet er sich eine Zigarette an, nimmt ein paar Tiefe Züge. Dann verlässt er den Bühnenraum mit hartem Schrittgeräusch. Während der gesamten Szene hört man abbrechende Gebete und furchterregende Schreie aus dem off.


Nadeltraum

 

Menschen beschiessen mich mit Nadeln,

quälen mich mit Nadelregen,

wollen mich kasteien

als Rache für den Frevel.

 

Spitze Nadeln, alle in der gleichen Grösse,

allle mit dem gleichen Schmerz

beim tiefen Eindringen in die Haut.

 

Ziehe jede einzelne Nadel

unter Schmerzen wieder heraus.

 

Sehe mich, mit blutenden

Wundenmalen übersät

und lache.

 

Jeder neue Einstich

schwächt mich,

bis ich,

hohläugig und irre,

die Nadeln alle stecken lasse.

 

Könnte zurückwerfen,

mit mehr Kraft.

 

Aber so leb ich

als Opfertier

und blut’ langsam aus.

 

Tags: Allgemein

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