Fit oder Fromm
Juni 20th, 2011 by managerex(Ostern) Wenn zwei Wege sich im Regen kreuzen nennt man den Bereich in dem sie sich schneiden nasse Kreuzung, nicht Kreuzigung.
Eine Kreuzigung ist wenn man zum Beispiel einen Prophet mit Naegeln durch Haende und Fuesse so an ein aufgestelltes Holzkreuz schlaegt, dass er erstens nicht herunterfaellt, sich zweitens nicht befreien und somit weglaufen kann und, drittens, langsam stirbt, weil er am Kreuz weder Essen noch Trinken bekommt und weil die Wunden, die man ihm durch das Festnageln zugefuegt hat, schmerzen und sich entzuenden.
Eine Kreuzigung dauert mehrere Tage und mit der Zeit schwaecht sich der Koerper des Gekreuzigten zusehends, da der scharfe Wind, die heisse Sonne und die kalte Nacht, wenn man sich nicht pflegen und schuetzen kann, am Koerper zehren. Die Haut wird sproede und rissig und besonders and den empfindlichen, sonst feuchten, Stellen, wie zum Beispiel an den Lippen, bilden sich Blasen.
Auch im Innern des Koerpers schmerzt es, weil der Magen, lehr und trocken, sich zusammenzieht und verkrampft. Nieren, Leber, Darm und Blase – allem fehlt etwas und alles tut weh, auch die Gelenke.
Eine Kreuzung aus zwei Wegen ist auch kein Kreuzweg. Ein Kreuzweg ist ein Weg den ein zu kreuzigender Prophet ein Kreuz tragend gehen muss bis zu der Stelle an der man dann normaler Weise die Kreuze aufstellt, um den zu Kreuzigenden daran festzunageln. Der zu Kreuzigende traegt sein eigenes Kreuz an dem er dann gekreuzigt wird. All das geschieht natuerlich unter Zwang, als Strafe dafuer dass man Aerger macht und Wunder vollbringt, Blinde sehend, Hungrige satt macht und Kranke heilt.
Es gibt auch Kreuzwege die man sich beim Spazierengehen anschauen kann. Dort sind dann in gewissen Abstaenden Bilder von einem kompletten Kreuzigungsablauf aufgestellt oder aussenherum an Kirchenwaenden angebracht, die zeigen was einen zu Kreuzigenden so alles erwartet, vom Urteil bis zum Ende. Wie in einem Urlaubsprospekt.
Den Kreuzweg kann man sich auch ein wenig wie einen Trimm-Dich-Pfad vorstellen von denen man einige in ortsnahen Waeldern findet. Nur dass an den einzelnen Stationen keine Leibes – und Turnuebungen gemacht werden, wie sie auf den Bildern erklaerend abgebildet sind, sondern dass man sich die Bilder des Kreuzwegs besonnen anschaut und denkt: Schlimm. Gut dass mir das nicht passiert ist. Oder: Gut dass es das heute nicht mehr gibt.
Manch einer betet auch an jeder Station eines Kreuzwegs ganz automatisch mit einem Rosenkranz in der Hand.
Ob Kreuzweg oder Trimm-Dich-Pfad, wenn man sie einmal durchlaufen hat, fuehlt man sich irgendwie besser, gereinigt, weil man etwas Koerperliches geleistet hat oder etwas Gutes gedacht hat. Beides macht irgendwie gluecklich und zufrieden fuer einige Stunden. Wie nach einem guten Mahl.
Die Anzahl der Stationen eines Kreuzwegs ist von Rom auf Dreizehn festgelegt. Ein Trimm-Dich-Pfad dagegen ist zwar vom Turnverband und seinen Fitnessexperten auch weitgehend standardisiert, aber wenn man mal eine Uebung ueberspringt kommt man nicht gleich in die Hoelle.
Einen Trimmdichpfad kann man auch leicht, reihum, einige Male wiederholen, wie bei einem Zirkeltraining, waehrend das bei einem Kreuzweg geschmacklos waere: Dornenkrone aufsetzen, Kreuz aufnehmen, einige Schritte laufen, Abstellen, Schweiss abwischen lassen, das Kreuz wieder aufladen, weitergehen, verspottet und ausgepeitscht werden, hinfallen. Und so weiter und so fort bis zum Tod und dann wieder von vorne los. Das macht keinen Sinn. Den Kreuzweg macht man einmal durch und dann ist gut. Man kann ja wiederkommen wenn das Wetter schoen ist.









