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Wenn man nicht mehr vierzig ist

Archiv für Oktober, 2011

“Die Lebensstufen”

Samstag
Okt 29,2011

...

(Caspar David Friedrich um 1834)

Hält das Bild eine Morgen- oder eine Abendstimmung fest? Geht es um Aufbruch, Rückblick oder Abschied? Der Betrachter hat dieselbe Perspektive wie die Figur im Vordergrund: der alte Mann, welcher der Maler selbst sein mag. Caspar David Friedrich war zu dieser Zeit etwa sechzig Jahre alt.

Heute haben Sechzigjährige eine andere Perspektive. Wer seine Lebenskurve zeichnet, sieht sich selbst auf einem Höhepunkt, hat unter Mühen und mit Freuden etwas erreicht, was jetzt ausgekostet werden soll. Zu Friedrichs Zeiten war es noch gebräuchlich, vom “Lebensabend” zu sprechen. Heute kennen wir eine Lebensphase, die “Hochaltrigkeit” genannt wird. Aber die hat der Maler nicht mehr erreicht. Er ist bereits mit 66 Jahren verstorben.

 

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  • Herausforderungen

    Dienstag
    Okt 25,2011

    Wahnvorstellung oder Wirklichkeit? Vor meinem Bürofenster baumeln drei Männer an Kletterseilen in der Kastanie. Einer von denen ist in den Fünfzigern.  Er versucht unter Anleitung, sich wie einen Kartoffelsack selbst in die Baumkrone zu hieven.

    ...Männer in meinem Alter suchen Herausforderungen: zu Fuß oder mit dem Rennrad über die Alpen, erstmals zum New-York-Marathon, 15 Kilometer Freiwasserschwimmen. Letztens äußerte sich im Spiegel der verletzte Schiedrichter Gerald Bothe über den ungehemmten Ehrgeiz älterer Fussballspieler (das war die Ausgabe mit dem Titel “Das überförderte Kind”).

    Jetzt ist der Kartoffelsack oben angekommen und klammert sich an den Stamm. Das ist jedenfalls besser als letztes Jahr im Herbst: da kam der Gärtner mit der Leiter und hat mir den schönsten Ast weggesägt.

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  • Zeit für einander

    Donnerstag
    Okt 20,2011

    Viel zu tun, häufig unterwegs. Wann haben wir eigentlich Zeit für uns gemeinsam? Wir müssen einen jour fixe vereinbaren, den wir bei unseren Terminplanungen freihalten. Wir sollten wieder Tanzen gehen!

    ...Auf dem Parkett wird Partnerschaft verhandelt: Wie wird geführt, wer tritt hier wem auf die Füße? Ohne Absprachen und Übung geht es nicht. Wenn zwei nicht voran kommen, dann wird der Trainer aufmerksam und hilft weiter. Ein Blick in die Runde: den anderen Paaren geht’s genauso.

    Vor fünfzehn Jahren hatten wir regelmäßig getanzt. In Kreuzberg gab es eine alternative Tanzschul-Szene für eine reifere Jugend, die ihrerzeit die Gelegenheit verpasst oder Gesellschaftstanz als zu spießig abgelehnt hatte. Wir hatten bei “Taktlos” viel Spaß mit Gleichaltrigen und mit Tanzlehrern, deren Konventionen ganz die unseren waren.

    Ob es fern von Berlin auch so etwas gibt? Tatsächlich.
    Und Übungsleiter Franz ist sogar gebürtiger Berliner!

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  • Zielen und Streben

    Sonntag
    Okt 16,2011

    “Wer alle seine Ziele erreicht,
    hat sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt.”
    Herbert von Karajan

    Kenne ich überhaupt jemanden, der alle seine Ziele erreicht hat? Und was Karajan angeht, so ist mir nicht klar, wie er das auf sich bezogen haben könnte. Aber so ist das eben mit Zitaten, die aus ihren Zusammenhängen gerissen in der Welt herumgeistern …

     

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  • Babyboom und Pillenknick

    Montag
    Okt 10,2011
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  • Dienstag
    Okt 4,2011

    Letztens war ich zur Vorsorge-Untersuchung beim – ja, warum heißt es eigentlich nicht Männerarzt? Jedenfalls kein schöner Beruf. Den ganzen Tag mit den Gummifingerlingen und der Vaseline herumhantieren. Selbst, wer diese Tätigkeit einmal aus Neigung aufgenommen haben sollte, muß ihrer doch überdrüssig werden. Gibt es eigentlich keine Entwicklungsmöglichkeiten im Arzt-Beruf?

    Auch für den Patienten ist die Untersuchung nicht angenehm. Man entschließt sich dazu nur aus wichtigen Gründen: Überweisung durch den Hausarzt oder Beunruhigung nach Lektüre der Apotheken-Zeitung. Wer so gestimmt die Praxis aufsucht, ist empfänglich für Alarm. Mit besorgter Mine informiert der Arzt darüber, dass die Krankenkassen eine bestimmte Untersuchung nicht übernehmen, mit der eine tödliche Krankheit gerade noch rechtzeitig erkannt werden könne. Kostet als Privatleistung zweiunddreißig Euro.

    Nun bin ich schon mal hier …
    Ach was, ich vertraue meinen Krankenkassen-Funktionären!

    Mein Kassen-Befund ist “altersentsprechend”. Aber nein, das beruhigt mich überhaupt nicht. Schließlich fühle ich mich zehn Jahre jünger, als es meinem Alter entspricht! Ob Privatpatienten wohl eine schmeichelhaftere Auskunft erhalten?