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Wenn man nicht mehr vierzig ist

Archiv für Dezember, 2011

Helden aus der Jugendzeit #3

  • Abgelegt in: Musik
Sonntag
Dez 25,2011

In meinen späten Zwanzigern wurde in den Discotheken als Höhepunkt zur Morgendämmerung James Browns Sex Machine aufgelegt. Die Platte war damals schon fünfzehn Jahre alt, der Sänger kein jugendlicher Held mehr (immerhin so alt wie unsere Eltern), verkörperte aber kraftvoll und musikalisch vital eine Legende. Irgenwann später ist er zum alten Zirkuspferd geworden, dem man in Erinnerung an seine bereits abgeleisteten Verdienste gern applaudierte.

Vor fünf Jahren, am 1. Weihnachtstag des Jahres 2006, starb James Brown im Alter von 73 Jahren in Atlanta.
 http://www.youtube.com/watch?v=1G6c9ez2_…

Playlist: The Sidewinder (orch.)  |  I wanna be around  |  That’s life  |  Kansas City

 


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  • Eine Weihnachtsgeschichte

    Dienstag
    Dez 20,2011

    Ein erfolgreicher Geschäftsmann verbringt notgedrungen den Nachmittag des 23. Dezember in einer Kleinstadt. Er durchstreift gelangweilt die Gassen und stöbert in einem Antiquariat. Ihm fällt ein Aquarell auf, das er erwirbt, weil die Verkäuferin einen überaus günstigen Preis nennt.

    Der Handel ist gerade abgeschlossen, da erscheint der Antiquar in Begleitung eines alten Herrn im Ladengeschäft. Das soeben verkaufte Bild war für jenen Kunden zurück gelegt, einen einsamen Sammler, dem der Inhaber eine Festtagsfreude machen wollte. Der Alte erhält die Gelegenheit, sich das Bild zu besehen, und er mag es kaum wieder aus der Hand geben. Aber der Käufer beharrt unwillig auf seinem Recht. Seinen vorteilhaften Handel will er sich durch Sentimentalitäten keinesfalls verderben lassen.

    Anderentags führt der Geschäftsmann die Vertragsverhandlungen, die ihn in jene kleine Stadt geführt haben. Überaus zufrieden mit dem Ergebnis lässt er sich vom Hoteldiener mit dem Gepäck zum Bahnhof bringen. Dort bemerkt er aber, dass das tags zuvor gekaufte Bild noch im Hotelzimmer liegt.

    Da fasst er einen unvermuteten Entschluss. Erinnert er sich an das Gesicht des alten Mannes? Ist er beschämt über sein Verhalten? Jedenfalls verfügt er spontan, dass das gekaufte Bild in der Stadt bleiben soll. Der Hoteldiener erhält den Auftrag, es zum Antiquar zurück zu bringen, damit dieser es dem alten Sammler aushändige. Nunmehr dankbar und erlöst macht sich der Reisende auf den Heimweg. Dabei freut ihn die Vorstellung, wie er seiner Frau von dieser Begebenheit erzählen wird.

    Soweit der Inhalt von Eugen Roth: “Das Weihnachtsbild”. Diese Geschichte aus Fulbert Steffenskys literarischem Adventskalender hat mir bisher am besten gefallen. Warum eigentlich?

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  • Donnerstag
    Dez 15,2011

    Die liebsten Geschenke sind mir die selbstgemachten: ein Glas Marmelade, eine Handarbeit oder ein Gedicht. Es macht mir nichts, wenn es ein wenig zu süss, schief oder holprig geraten ist. Grundsätzlich ziehe ich Handarbeit der Konfektionsware vor.

    Nicht jeder Schenkende verlässt sich ganz auf die eigenen Künste. Was liegt da näher, als im großen Ratgeber-Lexikon “Internet” nachzuschauen. Wer sich von einem lieben Kollegen verabschieden will, wird “Sprüche für den Ruhestand” suchen und kann erstaunliche Entdeckungen machen: “Abschiedspruch für Kollegen – Riesenauswahl zu Niedrigpreisen sicher bei eBay kaufen und verkaufen”. Aha.

    Wenn es nichts Gebrauchtes sein soll, dann findet man die Verseschmiede, in der anlassbezogen und abgestimmt auf den Einzelfall Massarbeit angeboten wird. Wie die Warenproben zeigen, wird hier nicht nur gereimt sondern auch gedichtet, d.h. die Metrik stimmt, und der Vortragende gerät nicht ins Holpern.

    Wer sich selbst ans Versmass traut, findet den Link zu einem online-Reimlexikon. Willst Du die Dichter-Feder stählen, kann ich Dir dieses nur empfehlen.

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  • Klassentreffen zu zweit

    Dienstag
    Dez 13,2011

    Als ich letztens beim Abendessen von meiner Schulzeit erzählte, habe ich mich an P. erinnert. Ein Blick ins Internet: das müsste er sein! Gewissheit dann mit seiner Antwort-Mail.

    Beim virtuellen Wiedersehen nach reichlich fünfunddreißig Jahren tauschen wir unsere Biografien aus. Wohin hat es uns gezogen, wohin verschlagen? Was ist uns gelungen, was missglückt? Wahrscheinlich geht es P. genauso wie mir: Meinem geistigen Auge gebenüber sitzt immer noch ein junger Mann – der aber erzählt nun ein gelebtes Leben. Wenn ich seine Zeilen lese, dann höre ich die bekannte Stimme reden. Ganz der Alte?

    Seinerzeit hatten wir beide gewiss eine Vorstellung davon, wie der andere wohl seinen Weg machen werde. Überrascht es uns, was wir heute einander mitzuteilen haben?

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  • “Abfent!”

    Sonntag
    Dez 11,2011

    Blog-Lektüre im Dezember: Top-Themen sind die Eurokrise (Männer-Blogs) sowie Bastelarbeiten und Gebäckrezepte (Frauen).

    “Abfent, Abfent”, wie Gerhard Polt sagen würde, worauf die gebildete Berlinerin antworten könnte: “Adveniat, ick hör’ dir  trapsen!” (Schöner Gruß in die Friedenauer Schreibstube, wo derzeit nicht gebacken oder gebastelt, sondern ein Sprachkurs in Berlinerisch gegeben wird.)

    Weiter geht es im Programm aber mit dem Bayern, und zwar auf Englisch …
     http://www.youtube.com/watch?v=CLFJtWVIr…

    “Die Krone der Volksmusik”

    • Abgelegt in: Musik
    Freitag
    Dez 9,2011

    Überall hängen diese Veranstaltungs-Plakate in der Stadt. Ich habe (aus guten Gründen, wie sich gleich wieder zeigen soll) schon lange kein Fernsehgerät mehr und musste daher raten, worum es gehen könnte: Comedie, Country-Trash? Aber man kann ja bei YouTube nachschauen.

    Nun braucht man über schlechten Geschmack gar nicht zu streiten. Eine spitzere Feder als die meine gesteht diesen Künstlern daher in einer ironischen Volte musikalische Stiltreue und Wahrhaftigkeit zu, bekundet sogar “Bewunderung” – um diese dann aber auf die abgebrühte Ungeniertheit zu beziehen, mit der die talentfreien Darstellungen vermarktet werden.

    Mich reizte es zunächst, an dieser Stelle Despektierliches über alternde Künstler zum Besten zu geben. Aber ich habe mich besonnen. Denn es ist ja nicht erst das Alter, das solche Darbietungen lächerlich macht.