1981 in Berlin angekommen, war mir schnell klar: Auch bei einer Taufe mit Alster-Wasser braucht es keine fünf Jahre zum Vollberliner. Um meinen Integrationsprozess zu beschleunigen, machte ich mich auf zur Polizeikaserne in Lankwitz. Beim Einbürgerungs-Prozedere bin ich dann allerdings erstmal durchgefallen.

Im Meldeformular wurde nämlich die Frage nach meiner Staatsbürgerschaft gestellt. Das konnte ich nicht ohne Nachdenken beantworten. Denn da gab es den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik für Deutschland, die Parole der DDR-Regierung von der Sozialistischen Nation, das Insistieren der West-Mächte auf der gemeinsamen Alliierten-Verantwortung für ganz Berlin, die Proklamation des Ost-Sektors zur Hauptstadt der DDR (damals westlicherseits noch in Anführungszeichen), vom Abgeordnetenhaus gewählte West-Berliner Bundestagsabgeordnete mit eingeschränktem Stimmrecht …

Im Ergebnis dieser ganzen Verwicklungen sollte mir als künftigem West-Berliner ein Dokument ausgefertigt werden, das “Vorläufiger Personalausweis” hieß.

Was bedeutete das denn nun meine Staatsbürgerschaft? Da fiel mir die diplomatische Formel ein, mit der Willy Brandt die Aufnahme von DDR und BRD in die UNO akzeptieren konnte: “Zwei Staaten und eine Nation”. Meine Staatsbürgerschaft musste folglich “bundesdeutsch” sein. Und so schrieb ich es auch in das Formular.

Darüber konnte der Polizist in Lankwitz aber gar nicht lachen. “Was soll das denn heißen?!” schnaubte er mich an. Über ein verdutztes “ja, aber …” kam ich nicht hinaus und ließ mich belehren, dass ich “deutsch” sei.

Auch der gebürtige Hamburger Hans Apel ist seinerzeit  in der Meldebehörde ins Stolpern gekommen. Nachdem er 1985 von der Berliner SPD als Spitzenkandidat für die  Abgeordnetenhaus-Wahlen aufgestellt worden war, präsentierte er stolz einen “Vorübergehenden Personalausweis”. Infolge der Wahlniederlage ist es für Ihn auch dabei geblieben.