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Wenn man nicht mehr vierzig ist

Sonntag
Sep 11,2011

Da zappelt sich einer ab, versucht, sich in das Unvermeidliche zu fügen – und wird immer wieder rückfällig. Er nimmt mit zweiundsiebzig an einem Formel-1-Rennen teil, provoziert als gealterter Kavalier eine Prügelei, lässt sich mit achtzig von seinem Spiegelbild kränken.

Ein Feigling ist Joachim Fuchsberger gewiss nicht. Er ist aber auch kein Weiser geworden. Mit Sprüchen versucht er, sein Leben als alter Mann (Jg. 1927) in den Griff zu bekommen. “Früher war keineswegs alles besser, vieles war anders” ist so ein Versuch, der ihm misslingt, weil er in der anschließenden Tirade über die heutige Jugend, Politik, Kirchen, Gewerkschaften und das Fernsehprogramm unverständig eben doch nur die Wende zum Schlechten feststellen kann.

Fuchsberger geniert sich nicht seiner Eitelkeit. Er pocht auf seine Verdienste in der Unterhaltungsindustrie und beklagt sich über Produzenten, die sein Markenzeichen als “männlicher Sympathieträger” nicht länger verkaufen wollen – aber auch nicht verkaufen können: denn er ist auf den Gehstock angewiesen und muss sich für anstrengende Dreharbeiten fitspritzen lassen.

Offen schildert er seine Enttäuschungen, z.B. wenn er die Hilfsbereitschaft einer jungen Frau zunächst als Flirt missdeutet. Überaus berührend ist die Schilderungen seiner Herzoperation mit anschließenden Komplikationen.

Kann man als “jüngerer” Leser etwas von Fuchsberger lernen? Man kann ihm jedenfalls dabei zusehen, wie schwer es auch am Ende eines erfüllten Lebens sein kann, den klugen Hinweisen der Ratgeberliteratur zu folgen: zu einem versöhnten Blick finden und loslassen können.

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Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge.
Gütersloher Verlagshaus. 19,99 EUR
Gibt es auch antiquarisch

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  • Alter Mann

    Freitag
    Sep 2,2011

    “Als Alter Mann (auch Altermann oder Toter Mann, Mehrzahl: Altmänner) werden im Bergbau aufgegebene Stollen und nicht mehr benutzte Strecken sowie ausgeräumte Abbaue bezeichnet. Das zu gewinnende Produkt ist je nach Abbauverfahren mehr oder weniger vollständig entfernt worden und es verbleibt ein Hohlraum. Dieser Hohlraum kann bestehen bleiben oder verfällt …”

    Weiter bei Wikipedia

    Sonntag
    Aug 21,2011

    Der Alte König ...
    “Wie geht es Dir, Papa?” “Also, ich muss sagen, es geht mir gut. Allerdings unter Anführungszeichen, denn ich bin nicht imstande, es zu beurteilen.” “Was denkst Du über das Vergehen der Zeit?” “Das Vergehen der Zeit? Ob sie schnell vergeht oder langsam, ist mir eigentlich egal. Ich bin in diesen Dingen nicht anspruchsvoll.”

    Arno Geiger (Jahrgang 1968) erzählt von seinem demenzkranken Vater. Es geht um bedrückende Erfahrungen. Selbstvorwürfe, weil die Krankheit zu spät erkannt und lange missdeutet wurde. Die Sorge, den Kranken allein im Heimatort zu wissen. Die schwere Entscheidung, den Vater in ein Pflegeheim einzuquartieren. Das Leben in dieser Einrichtung.

    Der Autor sucht einen Weg zum Vater, der immer häufiger nicht weiß, wo er sich befindet oder den Sohn nicht erkennt: “Da mein Vater nicht mehr über die Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm.” Er beginnt, die teilweise verwirrten Äußerungen des alten Mannes ernst zu nehmen und macht dabei wunderbare Entdeckungen.

    “Als ich das erste Mal auf die Pflegestation gekommen war, hatte ich einen Augenblick lang Mitleid für alle Menschen empfunden, die gelebt hatten, lebten oder noch leben werden. Mit der Zeit gewöhnte ich mich jedoch an die eigenwillige Situation, und schließlich fand ich diese Lebensweise auch nicht seltsamer als andere Lebensweisen.”

    Geiger erzählt  Familien- und Lebensgeschichte. Er beschreibt, wie Zeitgeschichte seines Vaters Leben und das eigene mitgeformt hat. Ein passend melancholischer Ton ist mit Beschreibungen von Natur und Landschaftsveränderungen im ländlichen Vorarlberg eingewoben. Zum Ende hin resummiert Geiger in Frageform:

    “Sosehr die Menschen am Leben hängen: Wenn sie finden, dass ein Leben nicht mehr ausreichend Lebensqualität bietet, kann das Sterben plötzlich nicht schnell genug gehen. Dann wird das Thema Sterbehilfe aufgebracht von Angehörigen, die besser daran täten, über die eigene Unfähigkeit nachzudenken, mit der veränderten Situation umzugehen. Die Frage ist: Will man den Kranken von der Krankheit befreien oder sich selbst von der Hilflosigkeit?”

    Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil. Carl Hanser Verlag 2011, 17,90 EUR
    Amazon? Das Buch gibt es doch auch bei Ihrem Buchhändler!

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  • September Song

    • Abgelegt in: Musik
    Sonntag
    Aug 7,2011

    It’s a long, long while from May to December
    And the days grow short, when you reach September
    When the autumn weather turns the leaves to flame
    one hasn’t got time for the waiting game

    Oh, these days dwindle down to a precious few
    September, November
    And these few precious days, i’d like to spend with You
    These precious days i’ll spend with You

    Rührend, nicht wahr? Ebenfalls sehr schön die zeitgemäße Interpretation von Lou Reed. Allerdings ist die auch schon von 1985 …

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  • Montag
    Jul 4,2011

    Musik: The Vibrettes – Humpty Dump
    Location: Tierpark Lange Erlen, Basel

    Was wird von Älteren erwartet, was ist erlaubt, was gilt als erstrebenswert? Die Kommentare der meist jungen YouTube-Nutzer zu diesem Video sind in dieser Hinsicht aufschlussreich …

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  • funky old men

    • Abgelegt in: Musik
    Montag
    Jun 20,2011

    Solomon “The Reverend” Burke (RIP) und die
    Blind Boys of Alabama (still alive)

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