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Wenn man nicht mehr vierzig ist

Faltenwurf

Samstag
Apr 21,2012

Die aktuelle Werbung für eine Faltencreme in den Apothekenschaufenstern:
“Anti-Aging” – was für ein Versprechen!
“Werden Sie Ihr eigener Beweis” – was für eine Aufforderung!

Männer werden von der Werbung respektvoller angesprochen. Die Texter der Hamburger Holsten-Bauerei sagen “Ecken. Kanten. Holsten.” Und dazu gibt’s auch die passenden Models.

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  • Jubiläumsliste

    Mittwoch
    Apr 4,2012

    “In unserer Firmenzeitung wird nicht nur an Zugehörigkeits-Jubiläen erinnert, was ich ja noch verstehen könnte. Nein, auch zum fünfzigsten und sechzigsten Geburtstag wird öffentlich gratuliert. Wen geht das etwas an, wie alt ich bin? Ich will das nicht!”, schimpft S. in unserer Partyrunde. Ich vermute sie so eifrig, weil sie selbst bald unter den Jubilaren genannt werden soll. Das überrascht mich dann doch, weil sie in der Tat wesentlich jünger sein könnte.

    Hat sie etwas zu verlieren – und was wäre das?

    Vielleicht in diesem Sinne: Heute kann jede/r selbst in einem gewissen Rahmen bestimmen, wie alt er oder sie sein will. Durch den Lebensstil, mit Mode und Anstrengungen im Fitnessstudio kann man ein paar Jahre herausholen. Laut Umfragen fühlen sich die meisten Menschen ohnehin zehn Jahre jünger als die anderen ihrer Alterskohorte. Wer von Erfolg oder Glück begünstigt abermals ein paar Jahre abziehen kann, will sich das durch ein outing nicht verderben lassen.

    Übrigens gilt das auch und sowieso für Männer. Einer aus unserer Runde bekennt lachend: “Ich habe mich aus der Jubiläumsliste streichen lassen!”

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  • Frauen mit 60

    Mittwoch
    Aug 10,2011

    Silvia Bovenschen hat in ihrem Buch “Älter Werden” Rückblicke, Ein- und Umsichten notiert. Zum Thema “Schönheit” beispielsweise:

     Damals (in meinen “zwanziger Jahren”) hatte ich ein Aussehen, mit dem ich (das sage ich aus heutiger Perspektive, gewissermaßen so, als wäre ich meine eigene Mutter) durchaus zufrieden hätte sein können. War ich aber nicht. (Keine Zwanzigjährige ist mir ihrem Aussehen zufrieden.) “Kind, versündige dich nicht”, sagte meine unfromme Mutter, wenn ich mein Aussehen bemängelte.

    Aber die Blicke, die mich trafen, die Avancen (dieses Wort war schon zu “meiner Zeit” aufgegeben), die ich erhielt, signalisierten mir doch, daß ich mir über mein Aussehen keine übertriebenen Sorgen machen mußte. Auch in meinem Falle war das etwas “vergeblich”. Damals witterte ich in jedem Kompliment, das mein Äußeres betraf, eine Abwertung meines intellektuellen Vermögens. Ich zog keinen Honig aus dergleichen. Heute hingegen gebe ich mich noch der unaufrichtigsten, auf mein Erscheinungsbild gerichteten, Schmeichelei unkritisch hin.

    Die Autorin schreibt einsichtsvoll, nachdenklich, witzig. Und mutig. Denn das Thema ist heikel – für eine Frau zumal wie, die Reaktionen der Rezensenten zeigen.

    Silvia Bovenschen: Älter werden. Notizen. S. Fischer Verlag 2006, 17,90 EUR
    Amazon? Das Buch gibt es auch antiquarisch.

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