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Wenn man nicht mehr vierzig ist

Ungezwungenes Jägerschnitzel

Donnerstag
Mai 3,2012

Am besten schmecken uns diejenigen Speisen, die Mutter (und Vater!) früher für uns gekocht haben. Im Hinblick auf diese verbreitete Feststellung bin ich schon sehr gespannt auf die Zukunft: Wird sich meine Tochter dann heute noch verschmähte Gerichte wie Mandel-Brokkoli, Pilzragout oder Königsberger Klopse zubereiten?

Wie bin ich jetzt darauf gekommen? Ach so, ja:

Ein führendes Unternehmen der deutschen Topfindustrie, die Firma Fissler nämlich, setzt derzeit auf die Geschmacksprägung ihrer Kundschaft mit dem Slogan “Wir Kinder der 70er”. So eine Werbekampagne ist nach allem, was ich darüber weiß, gut vorbereitet. Man wird Umfragen in Auftrag gegeben haben, um die Küchenerlebnisse und Geschmackserinnerungen der Zielgruppe zu erforschen. Und diese Schilderung ist nun das Ergebnis: “Buntgemusterte Kacheln in sattem Orange zieren die kleine Freifläche über dem Herd. In der schweren gusseisernen Pfanne brutzelt ungezwungen ein Jägerschnitzel. Draußen im Esszimmer der legendäre Käseigel …”

Ja, die ungezwungenen Siebziger! Dem Schnitzel ist freilich nichts anderes übrig geblieben, denn es ist ja flach geklopft worden. Und was die Legende vom Käse-Igel betrifft – war das nicht ein Partyschmaus der Sechziger?!

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  • Generation Fragezeichen

    Montag
    Apr 30,2012

    Im Blog des Göttinger Instituts für Demokratieforschung schreibt Alex Hensel: “Mit einiger Regelmäßigkeit prägen Journalisten und Autoren neue Generationslabel. Ob Generation Golf oder Praktikum, Generation Umhängetasche, Porno oder Facebook – der Generationsbegriff scheint kaum Grenzen zu setzen. Doch worin gründet die inflationäre Popularität des Generationsbegriffs und wie kann dieser noch sinnvoll eingesetzt werden?”

    Noch bevor ich mir von dieser kritischen Frage den Spaß verderben lasse, schnell ein paar Namensvorschläge für die Kohorte der Jahrgänge 1950-60: “Generation Ölpreisschock”? “Generation Brokdorf”? “Generation Bildungsboom”? “Generation Interrail”?

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  • Vorbilder

    • Abgelegt in: Väter
    Donnerstag
    Mrz 29,2012

    Im Deutschlandradio läuft eine Sendung über Vorbilder. Es kommen Experten zu Wort, und Passanten wird das Mikrofon unter die Nase gehalten: “Meine Mama ist mein Vorbild …”, “in gewisser Weise ist es für mich mein Vater …”

    Seltsam, die jungen Leute. Für mich und viele meiner Freunde ist der Vater keine Leitfigur gewesen. Ich wollte anders sein, ein anderes Leben führen, habe mir Ideale fernab der Welt meiner Familie gesucht.

    Aber wenn ich heute im Vorübergehen mein Spiegelbild sehe, dann stutze ich mitunter. Denn er hat mich eingeholt, der Mann, von dem ich mich unterscheiden wollte. Und es hat mich auch schon gefreut, wenn jemandem diese Ähnlichkeit aufgefallen ist.

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  • Strassenbekanntschaft

    Donnerstag
    Dez 1,2011

    Vor sieben Tagen hatte ich geargwöhnt, ich wäre jetzt zu alt, um noch von jungen Menschen auf der Straße angesprochen zu werden. Heute steht ein mobiles Büro des Stromversorgers e-on auf dem Bahnhofsvorplatz, und eine attraktive Propagandistin kommt mit einem hinreißenden Lächeln auf mich zu.

    “Wollen Sie mitkommen in den e-on-Bus?”
    “Ich? Mit Ihnen?!”

    Zur Aufforderung hält sie mir ein kleines Präsent entgegen, eine Aluminiumschachtel mit dem Konzernlogo.

    Ich denke: Die will mir bestimmt Atommüll andrehen.
    Da bin ich weitergegangen.

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  • Donnerstag
    Nov 24,2011

    Wenn “früher alles besser gewesen ist”, dann kommst du in die Jahre.
    Folglich ist das überhaupt nicht meine Sicht der Dinge.

    Aber seinerzeit sind wir noch selbst für unsere Anliegen auf die Straße gegangen, haben demonstriert und Infotische aufgebaut – gegen Atomkaft, für eine Strassenumbenennung und was nicht alles. Heute dagegen werden solche Anliegen “professionalisiert”: Greenpeace schickt Drückerkolonnen auf die Straße.

    Eben ist mir am Bahnhofsvorplatz aufgefallen, dass ich von denen gar nicht angesprochen werde. Auch das war früher anders. Sehe ich nicht mehr so aus, als ob mich die Zukunft unseres Planeten interessierte? Bin ich kein kommunikativer Typ, dem man auf der Straße eine Frage stellen könnte?

    Bei nächster Gelegenheit werde ich mich bei den jungen Leute mal erkundigen, nach welchen Merkmalen sie sich ihre Gesprächspartner aussuchen …

    Die Einladung

    • Abgelegt in: Mode
    Montag
    Nov 7,2011

    Mit meinen Dozenten-KollegInnen bin ich eingeladen zu einer “80er und 90er-Jahre-Party” an unserer Fachschule. “Wir würden uns freuen, wenn das eine oder andere Kleidungsstück bzw. Accessoire dieses Motto repräsentieren würde.”

    Seit wann heißen Feten eigentlich Parties? Für eine Motto-Fete wären “Die wilden 20er” oder die “Caprifischer-Ära” ein gutes Thema. Aber die 80er und 90er sind doch noch gar nicht richtig vorbei! In meinem Kleiderschrank und CD-Regal hat sich jedenfalls nicht viel verändert. Außerdem sind sie noch alle da: Hape Kerkeling, Guido Westerwelle, Howard Carpendale …

    Rar gemacht haben sich freilich Helmut Kohl, Abba und David Bowie. Die Mauer existiert auch nur noch in den Köpfen. Halt, jetzt hab’ ich’s! Ich werde mich als Guildo Horn kostümieren.

     

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