Autowahn nun Elektrisch!

August 1st, 2013 · Keine Kommentare

2015 wird es eine Formel E auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof geben. Grosse Sorge bereitet den Berliner Motorsport Fans allerdings nur, die relative Geräuschlosigkeit der “Rennwagen”, die nach einem Reglement der FIA starten. Der Tagesspiegel brachte die Nachricht in übergroßer Aufmachung, als sei es ein Sieg für Berlin. Derweil wächst der Gigantismus im Bereich elektrischer Antriebe wie ein Krebsgeschwür. Der engagierte CleanTech newsletter brachte soeben die Meldung, dass eine australische Firma einen Misubishi mit 600kW (peak) Leistung gebaut hat. Mit Radnabenmotor natürlich.
Unser Unwille betrifft die Selbstverständlichkeit mit der Konzepte wie TESLA 170 kW und der BMWi3 120 kW selbst bei Pionieren aus der Welt der erneuerbaren Energien hingenommen, ja sogar propagiert werden. Mit nachhaltiger Mobilität hat das wenig zu tun. Bis heute fehlt uns hingegen in den meisten Medien ein Fahrbericht über das TWIKE (“Mädchenmobil”) welches – nach stetiger Weiterentwicklung – seit 24 Jahren auf dem Markt ist. Wahrscheinlich ist es nicht machomässig Motorisiert. “Endlich, elektrisch fahren, macht Spaß”.  Mit Anschaffungskosten ab 40.000 Euro nicht eben billige Fahrzeuge, die Beschleunigungswerte aufweisen ( 5 sek. 100km), die in der Stadt extrem gefährlich werden können. Man hört nicht, wenn er beschleunigt. Auch in der sonst lobenswerten Filmproduktion aus dem Hause Fechner, die 4Revolution, wird TESLA am Ende ziemlich unkritisch vorgeführt. Dort fährt der JUWI Gründer Willenbacher (“unmoralisches Angebot an diese Kanzlerin”) – mit dem leider mitlerweile verstorbenen Eurosolar Präsidenten Herrmann Scheer – im TESLA vor der untergehenden Sonne in die weite Welt . Endlich ein Fahrzeug welches auch in Autoaffinen Wahlkreisen ankommt?
Niemand ist offenbar bereit zu akzeptieren, dass die Mobilität von Morgen ohne Geschwindigkeit auskommen muss. Nicht nur damit sie effizient sein kann, sondern weil eine breit angelegte Entschleunigung im Verkehr notwendig ist. TWIKE benötigte für den Transport von 2 Personen 0,4 Ltr Benzinäquivalent 100/km bei 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Fahrenergie kann man mit einer 1 kW Solaranlage umwandeln und mit der Ernte bis zu 4000 km p.A. zurücklegen . Genaue Messungen hat der Verein zur Förderung der Solarenergie e.V. zuletzt allerdings 1993 für die Stiftung Warentest durchgeführt.  Derweil haben wir begriffen, dass mit dem Klima etwas passiert, an dem wir Menschen mit unserem Geschwindigkeitswahn stark beteiligt sind.
Selbst die nun seit 1985 stattfindende WorldSolar Challenge in Australien im Oktober 2013, wechselt nun in das Geschwindigkeitslager der weltweit gut vernetzten Automobilrennclubs. Allerdings dürfen die nunmehr vierrädrigen Solarmobile mit 6 qm PV auf dem Stuart Highway – von Darwin nach Adelaide – laut dortiger Strassenverkehrsordnung – auch nur max 100km/h fahren. Weshalb also die Aufrüstung? Wahrscheinlich ist, dass dies alles nur für den Prolog auf einem Rennkurs in Darwin veranstaltet wurde. Dort ist Höchstgechwindigkeit gefordert, um auf einen der ersten Startplätze am 13.10.2013 auf der Strandpromende in Darwin dabei zu sein. Die Chance als Hauptkriterium für denWettbewerb lediglich die Energieeffizienz allem voran zu stellen, ist wohl endgültig vertan. Denn auch die sonst so wachen Verbände wie Greenpeace, WWF,BUND  und der deutsche VCD haben die Tragweite ihrer nunmehr fast 30 Jahre andauernden Ignoranz gegenüber dieser Art Wettbewerb nicht abgelegt. Nun geht es elektrisch “mit Vollsaft (gas) gegen die Wand”, frei nach dem Buchtitel von Frederik Vester.

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