Klischees, Schablonen, Vorurteile

Kriegspropaganda in Libyen und Kriegsverbrechen an Schwarzen

September 15th, 2011 by berlin_peripherie

In Libyen herrscht Krieg – was auch bedeutet, dass die Propagandamaschinerie hochtourig läuft. So haben hiesige Medien monatelang verbreitet, auf Seiten Gaddafis würden “schwarze Söldner” eingesetzt. Selbst dann noch, als Menschenrechtsruppen wie Amnesty International und Human Rights Watch längst erklärt hatten, keine Beweise dafür gefunden zu haben, ebensowenig übrigens wie für die Schauergeschichte unter Gaddafis Soldaten würde Viagra für Massenvergewaltigungen verbreitet. Der Viagra-Vorwurf war im April von der us-amerikanischen UN-Botschafterin Susan Rice erhoben worden. Offenbar, um den Kriegseinsatz in Nordafrika zu rechtfertigen.

Bekannt ist seit langem, dass Ressentiments gegenüber Schwarzen in Libyen weit verbreitet sind. Nun wurde dort eine mörderische Hatz auf schwarze Migranten, von denen viele seit Jahren schon im Land arbeiten, eröffnet. Weshalb hiesige Medien erst dieser Tage feststellen, dass an besagter Söldner-Geschichte nichts dran ist und dass unter dem Schutz der UNO-Resolution 1973 offensichtlich Kriegsverbrechen geschehen, ist nicht nachvollziehbar. Ebensowenig, dass die deutsche und die europäische Aussenpolitik dazu schweigt.

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Regionalseminar: Der arabische Frühling und die Folgen

September 14th, 2011 by berlin_peripherie

Regionalseminar in den östlichen Bundesländern:
Der arabische Frühling und die Folgen
Umbrüche im Maghreb – Signale auch für andere Regionen?

Für RückkehrerInnen aus Übersee, sowohl Fachleute als auch Freiwillige, veranstaltet der Kirchliche Entwicklungsdienst Berlin (KED) gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) diese Tagung. Sie wendet sich speziell an Interessierte, die zur Zeit in den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin leben.
Freitag, 11. bis Sonntag, 13. November 2011 in Berlin.
Der Anmeldeschluß wurde verlängert bis zum 10.10.2011.

 Weitere Informationen beim Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED) Berlin-Brandenburg

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Demonstrationen & Geschlechterrollen in Ägypten

Februar 15th, 2011 by berlin_peripherie

Am Freitag der Entscheidung in Ägypten, dem 4. Februar, habe ich mich gefragt, was Nawal El Saadawi, Ärztin, Schriftstellerin und Kämpferin für die Rechte der Frauen und gegen die Missstände in ihrem Land, wohl grad´ so macht. Die unkonventonelle Autorin war in den vergangenen Jahrzehnten inhaftiert, von Islamisten wegen ihrer Religionskritik verfolgt, mit der Zwangsscheidung von ihrem Mann bedroht und exiliert worden. Einige ihrer Titel, unter anderem der Roman “Ich spucke auf Euch”, standen in den 1980er Jahren auch hier zu Lande in den Bücherregalen manch internationalistisch und feministisch orientierter WG.

Bei Newsweek stieß ich dann auf einen Video-Clip, der die betagte Nawal El Saadawi am 02. Februar 2011 in Kairo zeigt. Dem Newsweek-Reporter berichtet sie dort, dass die gewalttätigen Angreifer auf dem Tahrir Platz, die von Kamelen und Pferden herab auf die DemonstrantInnen einprügelten, von der Regierungspartei bestochen worden waren: “Sie gaben ihnen 50 Pfund und ein Huhn, damit sie uns schlagen.” Und dann sagt sie: “Ich bin 80 Jahre alt, aber ich bin bereit zu kämpfen. Sie wollen uns Angst machen und uns aushungern. (…) Wir haben in den 50er Jahren gegen König Faruk demonstriert, dann gegen Nasser, gegen Sadat, gegen Mubarak. Unter Sadat bin ich ins Gefängnis gegangen, ich bin unter Mubarak ins Exil gegangen, aber jetzt bin ich hier! Ich bin 80 Jahre alt und ich werde nicht aufgeben. So etwas wie diese Demonstrationen habe ich in meinem Leben nicht gesehen!”
http://www.youtube.com/watch?v=ZM1scxpmbWQhttp://www.youtube.com/watch?v=ZM1scxpmbWQ

In deutschsprachigen Medien wird der Umbruch gern mit den gewandelten Ansprüchen in der jüngeren Generation zu erklären versucht. Wie kurz dies greift verdeutlich aber, dass beispielsweise der erste Blogger, der vom ägyptischen Staat 2006 für sein Schreiben eingesperrt wurde, Abdul Kareem Nabil Suleiman, nach eigenem Bekunden u. a. auch von der Literatur Nawal El Saadawis beeinflusst wurde. Näheres dazu steht in einem Bericht bei Al Jazeera: http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2010/11/25/bittersweet-release

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