50 Jahre Kino International

November 12th, 2013 · Keine Kommentare

Erbaut als Teil der Wohn- und Freizeitbebauung an der westlichen Karl-Marx-Allee ist das Berliner Kino International eines der wenigen verbliebenen Zeugen der sozialistischen Moderne. Seine Lage in der Nähe des Alexanderplatzes macht das einstige DEFA-Premierenkino noch immer zum Anziehungspunkt für Cineasten und Nachtschwärmer.

Das Kino im Jahr 1969
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe © www.bilderbuch-berlin.net

Eröffnet wurde das von den Architekten Josef Kaiser und Heinz Aust entworfene Kino am 15. November 1963 mit dem sowjetischen Revolutionsdrama „Optimistische Tragödie“. Von Anfang an war das Kino als repräsentativer Bau gedacht, dessen nach außen wirkendes Charakteristikum die großen Fenster des Foyers sind, die etwa zweidrittel der Fassade beanspruchen und den Passanten gerade Nachts in das Leben hinter der Glasscheibe hinein zu ziehen versuchen.

Fassade
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe, Foto: Eric Neuling

An der Fassade wird nach wie vor ein handgemaltes Plakat des gezeigten Hauptfilms angebracht. Es fügt sich nicht nur in die Proportionen der Fassade ein, es definiert sie sogar entscheidend mit. Betritt man das Haus beeindruckt es in jeder Struktur, jeder Linie, jedem Raum mit dem klaren, funktionalen Charme des Bauhaus, der aber zugleich durch die Werkstoffe Holz und Sandstein Wärme und Aufenthaltsqualität vermittelt, was zu dem Kuriosum führt, sich nur schwer vom oberen Foyer lösen zu können, um in den Kinosaal zu wechseln.

Kinofoyer
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe, Foto: Eric Neuling

Als repräsentatives Premierenkino wurde das 551 Plätze fassende Kino mit der entsprechenden räumlichen Großzügigkeit für die Gäste ausgestattet. Für die Parteielite wurde die achte Reihe mit größerer Beinfreiheit versehen. Später wurden für sie noch ein Aufzug und im Keller ein Bunker installiert. Als Besonderheit des Kinos mag auch gelten, dass das Publikum den Saal durch großzügig angelegte, seitliche Gänge verlässt, die sie direkt auf die Straße vor dem Kino führt, so dass es kein Gedränge mit den im Foyer wartenden Gästen gibt. Ein Umstand, der sich gerade bei den eng getakteten Berlinale-Vorstellungen immer wieder als angenehm herausstellt.

Zu DDR-Zeiten war das International nicht nur Abspielstätte heimischer („Lotte in Weimar“, „Solo Sunny“) und internationaler Filme (u.a. „Jenseits von Afrika“ oder „Dirty Dancing“), es beheimatete im Untergeschoss auch die Bezirksbibliothek. In dem Raum ist heute das ‘FröSi’ untergebracht ein Club, der zusammen mit der neben dem Kinosaal gelegenen ‘Honecker-Lounge’, den ehemaligen Rückzugsräumen der Parteielite, Samstagnachts der Berliner Partyszene offen steht.

Kassenfoyer
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe, Foto: Eric Neuling

Den emotional stärksten Moment im International werden die Besucher einer DEFA-Premiere 1989 erlebt haben. Gezeigt wurde „Coming Out“ von Heiner Carow. Allein dass der Film diese offizielle Aufmerksamkeit erhielt, darf als bemerkenswert gelten, denn Homosexualität war in der DDR zwar legal, wurde aber in weiten Teilen der Gesellschaft abgelehnt. Während der Vorstellung am 9. November fiel die Mauer und viele Gäste wechselten nach Filmende lieber zur Party an den nun offenen Grenzübergang Bornholmer Straße und die dahinter liegenden Gebiete.

Fassade
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe, Foto: Eric Neuling

Schon im Februar 1990 wurde das Kino Spielstätte der Berlinale. Kurz darauf wurde es in die Denkmalliste aufgenommen. Dennoch dachte man darüber nach es zum Kongresszentrum des dahinter liegenden Berolina-Hotels umzubauen. Aber es war das Hotel, das umgewidmet wurde: in das Bezirksamt Mitte. Das ‘Inter’, wie es liebevoll in der Berliner Szene genannt wird, blieb was es war. Es wurde 1992 von der Yorck-Kinogruppe übernommen, denkmalgerecht umgebaut und neu bestuhlt. Dabei blieb der silberfarbene Premierenvorhang genauso erhalten wie die beiden 35 und 70mm-Projektoren aus DDR-Fertigung und die gewellte Decke, durch die die auf den Saal angepasste Tonanlage erst ihre vollen Möglichkeiten hörbar machen kann.

Saal
Bildnachweis: Yorck Kinogruppe, Foto: Philipp Plum

Heute ist das Inter wie einst Premierenkino und Treffpunkt der Freunde internationaler Filmkunst. Neben der Berlinale sind hier regelmäßig andere Festivals zu Gast wie ‘achtung berlin’ oder die Russische Filmwoche. Keinesfalls vergessen werden, darf die Reihe ‘Mongay – Queeres Kino im International‘, die seit 15 Jahren erfolgreich läuft und viele Nachahmer fand.

Während der am 11. November gestarteten Jubiläumswoche gibt es jeden Tag eine Film-Premiere oder Preview. Am Wochenende werde im International dann zum Preis von 2,50 Euro Filmhighlights aus der Geschichte des Hauses gezeigt. Darunter „Coming Out“, „Spur der Steine“, der nach seiner Premiere im International verboten wurde, oder das DDR-Kult-Musical „Heißer Sommer“. Näheres im aktuellen „Yorcker“, dem Programmheft der Yorck-Kinogruppe und auf der Website des Kinos.

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