Auferstanden aus Ruinen – Der Zoo Palast wird neu eröffnet

November 27th, 2013 · Keine Kommentare

Der Berliner Zoo Palast, Premierenkino und einstiges Berlinale-Haupthaus, erhebt sich am 28. November, fast drei Jahre nach seiner Schließung, frisch geputzt und ausgestattet mit modernster Technik aus dem Baustaub und mit ihm ein völlig neu gestalteter Straßenzug zwischen Gedächtniskirche und Bahnhof Zoo.

Hauptsaal des Zoo Palast mit 800 bequemen Ledersesseln. Während der Berlinale wird um 50 Sitze aufgestockt.

Kurze Rückschau

Der Zoo Palast wurde 1957 von Gerhard Fritsche als Haus mit zwei Sälen eröffnet. In den 70er und 80er kamen die baugleichen ‘Kammerspiele’ im Haus selbst sowie fünf weitere Säle in einem Anbau hinzu. Der Anbau wurde im Zuge der Renovierung abgerissen und durch einen Neubau mit drei Kinos ersetzt. Nach dem Fall der Mauer schlossen viele Kinos in der Gegend und auch dem Zoo Palast drohte wie der Filmbühne Wien, dem Marmorhaus, dem Astor oder dem Gloria die Umwandlung. 2003 stand das Kino zur Disposition. Für den Berliner Senat wäre das kein Problem gewesen. Die damalige Sprecherin der Senatsbauverwaltung, Petra Reetz, bestätigte indirekt einen möglichen Abriss. Dem Tagesspiegel sagte sie: „Wir möchten, dass die City West aufgewertet wird, möglichst mit Kino, notfalls auch ohne.“ Dem Bezirk Charlottenburg, in dem das Kino steht, war das nicht so lieb. 2007 kam es dann zum Kompromiss. Der Hauptsaal sollte verkleinert und der darunter liegende Saal 4 in eine Einkaufspassage integrieren werden, die sich vom daneben liegenden Bikinihaus bis zum Hardenbergplatz, dem Vorplatz des Bahnhof Zoo, erstrecken sollte. Das Kino hätte dann fünf Säle gehabt.

Der Zoo Palast (links) und das Bikini-Haus (rechts) vor der Renovierung Ende April 2006

Heute

Wie sich die Zeiten geändert haben. Heute ist man stolz darauf, das der Zoo Palast so orginal getreu wie möglich neu entstanden ist und damit als ikonisches Gebäude der fünfziger Jahre ein prägendes Element des Gesamtkonzepts an der Budapester Straße ist, das aus dem neu gestalteten Bikini-Haus, dessen Ladenzeile im Frühjahr öffnet, dem Turm des Waldorf-Astoria gegenüber und weiterer im Entstehen begriffene oder geplante Bauten in unmittelbarer Nähe, ist. Die Gegend, einst eine Schmuddelecke der westlichen City wird wieder zur schicken Ausgeh- und Shopping-Meile mit dem Zoo Palast als cineastischen und architektonischen Mittelpunkt.

Das Kino

Der Eigentümer des Zoo Palasts, die Bayerische Hausbau, und der neue Betreiber Hans-Joachim Flebbe, haben das Haus für 5,5 Mio. Euro nach Plänen des Architekturbüros MASKE + SUHREN denkmalgetreu zu einem mit allen technischen Schikanen ausgestatteten State-of-the-Art-Premiumkino mit sieben Sälen und 1650 Sitzen ausgebaut, das im Jahr rund 600.000 Gäste anlocken soll. Der Hauptsaal wird 800 Plätze haben, die zu Berlinale-Zeiten um weitere 50 Sitze aufgestockt werden. Ursprünglich fanden 1200 Sitze in ihm Platz, aber schon nach einer Renovierung Anfang der 90er nahm die Sitzzahl zugunsten eines großzügigeren Arrangements auf 1070 ab.

Um den Ansprüchen eines Premiumkinos mit allen Schikanen zu genügen, wurden Sessel eingebaut, die heimischen Wohnzimmersesseln an Komfort in Nichts nachstehen. Die Rücklehnen der Sessel lassen sich nach hinten schieben so dass man den Film mit ausgestreckten Beinen bequem genießen kann. Nicht nur die Sessel, mit denen alle sieben Säle ausgestattet sind, machen den Kinobesuch zum Genuss. Auch Projektion und Tonsystem sind vom Feinsten. Der Hauptsaal verfügt für 3D-Vorführungen über eine 4K-Doppelprojektion. Das heißt, zwei leistungsstarke 4K-Projektoren des Hersteller Christie werden zusammen gespannt, um die 21 x 8,8 Meter große Bildwand entsprechend ausleuchten zu können. Bei 2D-Filmen reicht ein Projektor. Der Ton für den großen Saal kommt aus einem maßgefertigten Dolby-Atmos-System mit 68 Line Array-Lautsprechern, die eigentlich für Konzertsäle konzipiert sind und noch nie zuvor in Kinos eingesetzt wurden. Die Anlage hat eine Leistung von 155.000 Watt. Mit dem Einmessen waren vier Tontechniker vier Tage lang beschäftigt. Die Bildwand ist nun ca. 15 Prozent größer als zuvor und sie sitzt vor dem restaurierten, aber nicht sichtbaren Bildwandrahmen der alten Bildwand. Die Holzverkleidung des Hauptsaals wurde nummeriert, entfernt, gereinigt und wieder angebracht. Vor der Bildwand gibt es neben drei verschiedenfarbigen Stoffvorhängen als Besonderheit noch einen Wasservorhang.

Charme der 50er

Das komplette Gebäude wurde nach den Maßgaben des Denkmalschutz renoviert. Die Außenfliesen wurden geputzt unds ehen aus wie zur Eröffnung 1957. Selbst der Linoleum-Boden ist erhalten und auch die drei neuen Säle strahlen den Charme der 50er und 60er Jahre aus. Weitere Besonderheiten sind die beiden je 50 Plätze fassenden Club-Kinos mit ihrer Anmutung einer gemütlichen Bibliothek mit Regalen voll echter Bücher, die über eine eigene Bar verfügen und für Veranstaltungen gemietet werden können, das Vorhandensein von 70- und 35mm-Kinoton-Projektoren im Hauptsaal, die schon vorher im Zoo Palast standen und überholt wurden sowie der Möglichkeit in einem der kleinen Säle auch 16mm-Filme zu zeigen. In diesem Jahr wird mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ die erste Premiere gefeiert und im Februar kommt auch die Berlinale zurück.

Eines der beiden Club-Kinos (vorher Kammerspiele). Die Bücher können getauscht und das Kino für Privat-Events gemietet werden.

Der Zoo Palast wendet sich mit seinem Angebot an Zuschauer ab 30, 40 Jahren, die bereit sind für einen höheren Komfort und Service auch höhere Eintrittspreise zu zahlen. Der Zoo Palast bietet neben einer Garderobe auch einen Bedienservice im Logenbereich. Weitere Annehmlichkeiten sind Ticketreservierung via Internet und die Nutzung von eTickets auf dem Smartphone, Doorman, VIP-Eingang für Stammgäste und Logenbesucher sowie Platzanweisder und Aufsichtspersonal im Kino, die jeden Telefonierer rauswerfen. Außerdem sind Nachos verpönt, allein Popcorn wird neben erlesenen Speisen und Getränken noch geduldet.

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