Peter Gabriels Konzertfilm ‘Back to Front’

März 5th, 2014 · Keine Kommentare

Der Konzertfilm des britischen Sängers Peter Gabriel ist in mehrfacher Hinsicht ein geniales Werbevehikel. Aber wie lautet das Motto des Britischen Hosenbandordens des Britischen Könighauses gleich noch: Honi soit qui mal y pense (Ein Schuft ist, wer Schlechtes dabei denkt). Immerhin hat der Film dem Fan und Zuschauer einiges zu bieten. Aufgezeichnet wurde ein Auftritt der aktuellen Tournee in London im vergangenen Jahr. In einem Event wird der Film nun am 10. März in verschiedenen deutschen Kinos zu sehen sein, bevor er kurz darauf auf Blu-Ray raus kommt.


Foto: (c) Michele Turriani

Soweit so gut. Das Besondere an dem Kinoevent ist allerdings die technische Seite des Films, die kaum jemanden interessiert und daher kaum kommuniziert wird. Sie unterscheidet sich nämlich erheblich von der Blu-Ray-Version. Aufgenommen mit zehn F55-Kameras von Sony ist das Konzert in 4K aufgezeichnet und postproduziert worden. Da Blu-Ray ein 2K-Format ist, ist die 4K-Version ausschließlich im Kino zu sehen. Ob das nun soviel besser ist, kann – und sollte – diskutiert werden, schließlich pusht Sony seine 4K-Technologie mit erheblichen Aufwand. (Sie werden es bemerkt haben, lieber Leser, dies ist ein weiterer Zweck, den der Film erfüllt). Im Blick ist dabei nicht nur die Aufnahmeseite, also Kameras, sondern auch die daran anschließende Nachbereitung (Postproduktion) und Auswertung. Im Kinobereich ist Sony bei der 4K-Projektion mit über 400 Installationen führend (etwa in allen Cinemaxx-Kinos, aber auch in vielen Arthouse und mittelständischen Kinos), die Firma hat aber auch ein Interesse daran 4K-Fernseher (UHD) zu pushen, weil sie dann wiederum die Nachfrage nach Inhalten steigt, für die Sony-Kameras sehr gut geeignet sind. 4K bzw. UHD hat die vierfache Auflösung von 2K bzw. HD. Das prädestiniert 4K dazu digital in das Material hinein zu zoomen. Gerade bei Sportaufnahmen erhält man beim Replay so noch erstaunliche Detailaufnahmen, die etwa zeigen ob ein Ball tatsächlich über der Linie war. Ergänzend ist es so, dass immer mehr Filme in 4K entstehen und auch ins Kino kommen. Da hat Sony in den acht Jahren, in denen sie das Thema schon voran treiben, einiges an Pionierarbeit geleistet.


Foto: (c) York Tillyer

4K führt also zu einer größeren Bildschärfe. Gleichzeitig führt es zu einer höheren Farbtiefe und Kontrast (den hierzu gehörenden Exkurs hebe ich mir für einen späteren Blog-Post auf B-)). Und hier kann ‘Back to Front’ mit denen eines Konzerts eigenen schwierigen Lichtverhältnissen punkten und zeigen welche Vorteile 4K hat und was dies für die Zukunft des bewegten Bildes, egal ob im Kino oder auf einem UHD-Display zuhause, bereit hält.
Die Lichtshow und die gleißenden Scheinwerfernsorgen während eines Konzerts für harte Kontraste. Hinzu kommt, dass sehr oft schwarz vor schwarz zu sehen ist. Normalerweise müsste man sich bei großen Helligkeitsunterschieden entscheiden, auf was man die Kamera einstellt. Bei den digitalen Hochleistungskameras ist dies nicht mehr der Fall. Sie können sowohl einen harten Sonnenstrahl, der ins Zimmer fällt genauso gut durchgezeichnet mit allen Details darstellen wie das in dunklen Farben gehaltene Bild im dunklen Eck daneben. So ist bei 4K schwarz nicht nur schwarz, sondern man sieht innerhalb des Schwarz auch jedes Detail.
Um die Überlegenheit des 4K-Materials gleich im Kino zu demonstrieren, wurde bei alten Songs von Peter Gabriel, zu denen es Aufnahmen von längst vergangenen Tourneen gibt, diese mit dem neuen Material gegengeschnitten. So stehen hier alte, grisselige Videoaufnahmen neben gestochen scharfen, bis ins Detail durchgezeichneten 4K-Bildern. Noch ist der Film im klassischen Dolby 5.1 gemischt. Aber die Produktionsfirma des Films und Peter Gabriel, der als Sohn eines Fernsehingenieurs an allen Neuerungen im Bild- und Tonbereich interessiert ist und sie wie hier unterstützt, sind bereits in Gesprächen mit Dolby darüber, ob man beim nächsten Konzertfilm nicht ev. Dolbys immersives Tonsystem Dolby Atmos einsetzen sollte. Aber nicht nur auf der Tonseite bringt sich Dolby ein, auf der Bildseite hat es mit Dolby Vision gerade ein System vorgestellt, das Bilder so darstellt, wie sie bisher nur in der Natur vorkommen. Doch auch hierzu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.


Der Autor nach dem Hintergrundgespräch mit Peter Gabriel während der Berlinale 2014.

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