Hallo Welt! Ich war beim Zahnarzt……

Da lieg ich nun, sabbernd und tropfend, aus meiner schlappen Lippe rinnt unkontrolliert das Gemisch aus Speichel und Blut über das taube Fleisch rund um meinen Mund …. nichts als taubes, scheinbar welkes Fleisch….14 Spritzen….2x 600 ibu … ich weiss jetzt…der Zahnarzt hasst keine Berufsgruppe mehr als Lehrer (puuuh, vorher lies er mich raten, welche Gruppe er wohl meinen könnte – aber mit Absauger, und Spritze und nem anderen Metallteil im Maul konnte ich nur schwach mit den Achseln zucken)…Frauen Mitte 40 und mit Doppelnamen sind ihm suspekt… sein Schwager ist auch Lehrer, fauler ewig schlafender Schwager…dabei stößt er immer wieder mit der Nadel zu…. ja, ja tut weh, weiss er ja, muss aber……neben mir keine Helferin, ein weiterer Arzt, der soll sich das alles mal anschauen, was mein Arzt so alles macht…..stich, stich, ooooch, alle, da!

“Gib mir mal noch eine, nur eine Ampulle hab ich noch!” (O.Ton). Schauen Sie Mal”, sagt er zu mir, zeigt die Nadel, die man in der Mitte abklappen kann, dann hängt sie wie ein aufgeklappter Revolver runter. “Ich hab nur einen Schuss”, sagt er, lacht, lädt nach und drück die fette Nadel wieder rein….hinter mir ein weiterer, ein dritter Arzt, der will da wohl anfangen (ein Pole!!!! wie mein behandelnder Arzt mir schnell noch mitteilt, bevor er weiter zusticht). Aber man sei hier ja offen für alle….haha, der Pole hinter mir lächelt bemüht, schaut weiter interessiert in meinen Mund und zuckt dann und wann mit den Augen, plötzlich hält er sich die Hand vor den Mund…..DAS TUT MAN NICHT, LIEBE ÄRZTE!!!! nichts ist schlimmer als völlig ausgeliefert dazulegen und plötzlich hält sich der Arzt die Hand vor den Mund….aaahh, was passiert dort…doch schon redet mein Behandler weiter, wenn es weh tut soll ICH ES SAGEN! ha! WIE DENN!!!???
“Oiiiiiih”, sagt er, neugierig drängen sich seine Kollegen in mein Gesichtsfeld, “schau, da kommt der Eiter, das ist die Zyste, die kratz ich nachher schön aus, den ganzen Knochen mach ich schön wieder sauber….was für einen schönen Kiefernknochen ich im übrigen habe, wenn jeder mit solchen schönen, dicken breiten Knochen käme, sein Beruf als Fachchirurg wäre das Paradies”, sagt und zieht mir die Stümpfe raus.”Ha, das geht leicht”, meint er, sein Beruf ist eigentlich schön, aber auch ein wenig langweilig, weil eben nur Handwerk, zack, der Nächste raus, ach das nähen wir wohl nachher lieber….by the way General Bastian und Petry Kelly, die hat er persönlich gekannt, damals in Wolfsburg, Zack, der nächste, dann der Bohrer, der Fräser, absaugen. “Tut doch nicht weh, oder?” Ich grunze etwas, er fräst weiter. “Das WIRD aber noch weh tun”, sagt er, oja, das wird weh tun, ich suche mit den Pupillen die Blicke der anderen – HILFE! – sie versuchen mich mit ihren Blicken zu trösten bzw. aufzumuntern, dann meldet sich wieder mein Behandler: “Ich hab ja alles bis auf den Knochen ausgefräst und gereinigt schön!!!!! Aber das tut weh! Ist ja ne richtige Wunde….schaut Mal! Wenn ich mich selbst behandeln lasse, dann mach ich das immer mit Videokamera und so, da kann ich dann schön zu sehen” sagt er munter….während er mir die Fäden vor die Augen zieht…Antibiotika für die Entzündung, Ibus gegen die Schmerzen. “Eigentlich eine, aber ich würde gleich zwei nehmen, an ihrer Stelle”, gibt er mir augenzwinkernd den Rat…mir rinnt der Sabber unkontrolliert über das taube Fleisch in Richtung Pulli, gekonnt fängt er das mit nem sauberen Tuch auf und reicht mir ein Neues…. “Die Lehrer wollen immer, dass ich sie krankschreibe, eine wollte gleich ne ganze Woche, faules Pakt, Parasiten. Ha, wozu, sage ich dann.
Man kann auch mit blauen Flecken und ohne Zahn vor der Klasse sprechen!”

Ob ich ne Krankschreibung brauche?
“Ach, selbstständig, das bringt ja nichts, …. essen können Sie alles, Suppe aber kalt, heiße Getränke noch nicht, ist ja alles voller Blut, das jetzt in der Wunde am Knochen so herrlich gerinnen wird und daraus bildet sich ja der Knochen aus dem Gemisch, ganz wunderbar, bloß nicht immer ausspülen, das Gemisch ist gut, hilft heilen, alles wunderbar, tolle Knochen!”
“Bis Morgen”, sagt er noch….Bis Morgen, entgegne ich brav. ©