Nur ein Traum!

Ich sitze hier, bring schwarze Lettern mit geliehener Tinte auf weißes Papier. Geliehene Worte. Geliehene Gedanken. Nichts gehört mir. Alles ist meins. Ihr Lächeln entwaffnend. Ihre Art, offen, freundlich zuvorkommend. Kann Gedanken nicht unterdrücken, will es auch nicht. Sie fragt freundlich, ruhig, verschlafen, ob ich bleiben möchte. Ich sage, Ja! Sie schwebt engelsgleich über den Boden. Wundervoll zarte Hände, ohne Ring. Sie streichen über mein kurzes Haar. Sie sagt, sie hoffe dies wäre nicht das letzte Mal. Die Spannung ist nicht physisch, obschon alles an ihr dafür spricht. Das Handtuch schmiegt sich sanft, fast vorsichtig, um ihren grazilen Körper. -Kleidung verbirgt sehr oft auch wunderschöne Dinge- Ihre Haare glänzen feucht in der Morgensonne, welche ungehindert durch die bodentiefen Fenster den Tag willkommen heißt.

Ihre Stimme, nur ein Flüstern. Wie ein Schatten, der sich sanft und heimlich auf selbst die raueste Oberfläche schmiegt, treffen ihre Worte auf mein Ohr. Ich genieße jede Silbe, jeden Buchstaben, der sich an ihren Stimmbändern vorbeischleicht, um sich dann, mit fast unmerklich fragiler Eleganz, ihre Lippen streifend, zu mir auf den Weg zu machen. In jeder ihrer Bewegungen ist Herz. Jede Spannung und Entspannung ihrer Muskeln bedeutet Liebe. Zu sich selbst und zu dem was sie tut. Ich kann es spüren, diese aufrichtige, uneigennützige, leidenschaftliche, intelligente Art (nenn es Aura), welche von ihr ausgeht.

Wie mit statischer Elektrizität aufgeladen, setzt sie jedes noch so kleine Haar an mir in Bewegung. Alles ist Energie – und sie ist die Urform. Momente in denen ich wünschte zu wissen. Zu wissen, was sie denkt, was sie fühlt, was sie bewegt. Zieht sie in Erwägung mit mir zu sprechen? Wecke ich Interesse? Ist das wirklich von Bedeutung?

Nichts von alledem ist von Dauer. Nicht das Gefühl, nicht die Gedanken, nicht die Fragen, nicht die Leidenschaft die in mir brennt. Brennt sie noch? Nicht viel mehr als eine zitternde Flamme im Wind. Kein alles verzehrender Feuersturm, kein Inferno, keine Flamme, die gemacht ist andere zu entzünden. Mehr eine Erinnerung an das, was tief verborgen schlummert. Ein Mahnmal, gemacht um nicht zu vergessen. Nicht aufzuhören und doch loszulassen. Den Glauben nicht zu verlieren, dass ich es schaffen kann, es überlebe.

Da ist wieder ihre Stimme, die mit sanfter Brutalität alles an mir in Besitz nimmt. Meine Augen wandern ihre Beine empor und nehmen die Kraft wahr, die sie trotz all ihrer Eleganz nicht verbergen kann. Alles schwingt. Das Glas, welches sie poliert in der gleichen Frequenz, wie die Münzen die auf den Boden treffen.

Und mein Herz?

In heller Aufregung über die Klarheit meiner Gedanken. Geliehene Gedanken und dennoch frei. Frei von Vorurteilen. Frei von Werten wie Moral oder Anstand. Pur, rein und ungefiltert fließt der Inhalt, die Essenz bioelektrischer Entladung durch meine Muskeln, über den Stift, mit Hilfe der Tinte auf das Papier. Alles ist eins, in Momenten friedlicher Ruhe. Ihr Haar, golden wie auf den Punkt gereiftes Getreide. Augen, so blau wie das perfekte Wasser in einem perfekten Ozean. Ihr Blick, tief durchdringend und geheimnisvoll, sagt alles und nichts. Yin und Yang. Kein absolut nur ein vielleicht. Ein Meer von Möglichkeiten, dessen Wellen unablässig an den Strand meiner Phantasie schlagen. Gedanken werden weggewaschen wie Fußspuren im Sand. Zu flüchtig um sie festzuhalten. Gerade so lange präsent wie die Tinte braucht, sie auf dem Papier zu verewigen.

Ewigkeit – so unermesslich groß. Individuum im Strudel der Emotionen. Nichts ist wie es war und doch war alles wie es ist. Die Faszination, welche mich befiel wie ein Fieber, angesichts gleichzeitiger Offenheit und Unnahbarkeit. Ein Riss in der Wirklichkeit, durch den sie strahlt wie ein Löwenzahn, der in der Sommersonne durch aufgeplatzten Asphalt blüht.

Ich kenn dich gar nicht, alberner Gast, heimlicher Flüsterer und möchte doch erfahren was dich bewegt. Warum sitzt du neben mir? Unsichtbar für jeden außer für mich. Stumm für jeden außer für mich.

–Ich bin Du, Dummkopf. Ich denke, weil du denkst. Ich bin, weil Du bist. Ich schreibe, weil Du mich ermutigst.-

Die Flamme beginnt heller aufzulodern. Bringt Licht dahin, wo vorher Dunkelheit war. Lässt die Sonne scheinen, wo Regen ist und als wäre das nicht genug, macht in den schillerndsten Farben klar: Alles ist eins. Zeigt Schönheit, wo du sie am wenigsten erwartest. Lässt dich unerwartet teilhaben an Macht, Illusion und Wahrheit.

Schönheit ist nicht was du siehst. Schönheit ist was dein Herz dir zeigt, wenn du dich traust ihm  die Augenbinde abzunehmen. Dann ist Schönheit überall. In manchem mehr in manchem weniger, doch ist nichts frei von Schönheit.

In welcher Welt willst DU leben?

One Response to “Nur ein Traum!”

  1. Der "unheimliche" Falk Says:

    Vielen Dank für den hilfreichen Kommentar.

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